Bad Wörishofen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern setzen in diesem Jahr auf den Gesundheitstourismus. Beim gemeinsamen Saisonauftakt der beiden touristischen Schwergewichte der Bundesrepublik präsentierten Vertreter beider Länder in Bad Wörishofen ihre „Gesundheitsschätze“, wie sie es nannten. Ein Gala-Abend bot den Rahmen für die Verleihung des Bayerischen Innovationspreises im Tourismus, dotiert mit einem 30 000 Euro schweren Marketingpaket. Die Auszeichnung ging nach Bad Feilnbach (Oberbayern). Die Jury würdigte die Aktion „Kulinarisches Kino im Wirtshaus“.
Etwa 80 Journalisten aus dem gesamtem Bundesgebiet nahmen an der mehrtägigen Veranstaltung teil. Deutlich wurde: Die beiden Länderregierungen erhoffen sich vom boomenden Gesundheitsmarkt einen großen Schub. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel sieht im Gesundheitstourismus vor allem große Chancen für den ländlichen Raum. Ihr Amtskollege aus dem Norden, Stefan Rudolph, erhofft sich sogar, dass die Jobs in der Gesundheitswirtschaft dazu beitragen, Arbeitskräfte im Land zu halten und Abwanderungen zu vermeiden.
Staatssekretärin Katja Hessel wird Ehrenkurgast
Im Mittelpunkt der bayerischen Präsentation standen die Kurorte und Heilbäder, allen voran die Gastgeber aus Bad Wörishofen. Bürgermeister und Gesundheits-Multifunktionär Klaus Holetschek pries die Vorzüge der Kneippstadt und der Kur im Allgemeinen und machte Staatssekretärin Katja Hessel öffentlichkeitswirksam zum Ehrenkurgast, Goldene Kurkarte inklusive. Die Gesundheitswirtschaft sei zwischenzeitlich bedeutungsvoller als die Automobilindustrie, gab Holetschek den Journalisten mit auf den Weg. Betriebliches Gesundheitsmanagement und die Gesundheitsvorsorge im Allgemeinen seien aus seiner Sicht die Zukunftsfelder für die Bäderbranche. Jens Huwald, einer der Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH, betonte die Bedeutung der Kurorte in Zeiten von Burnout, chronischen Erkrankungen und einer immer älter werdenden Gesellschaft. Die Bäder seien nicht nur ein Trumpf, sondern ein Schatz, bekräftigte Staatssekretärin Hessel. „Wir stehen kurz vor einer Renaissance des Kurgedankens“, glaubt die Politikerin.
In Hessel hat Klaus Holetschek, der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäderverbandes, eine starke Verbündete gefunden, auch das wurde beim Saisonauftakt klar. Hessel pries die neue Bäder-Kampagne „Gesundes Bayern“ mit dem „Gesundheitsfinder“ im Internet und wies darauf hin, dass Bayerns Heilbäder jährlich knapp 22 Millionen Übernachtungen zählen. Allein im bayerischen Gesundheitstourimus würden 3,7 Milliarden Euro umgesetzt.
„Wunderschön, aber ich finde hier nichts spannend“
Wie denn die Kurorte versuchen wollen, jüngeres Publikum anzusprechen, wollte in der anschließenden Diskussionsrunde Moderator Marco Vogt vom NDR wissen. Bad Wörishofen sei wunderschön, aber „ich finde hier nichts spannend“, stellte der 40-Jährige fest. Bad Wörishofens Kurdirektor Horst Graf, gerade aus Mecklenburg-Vorpommern zurück nach Bayern gewechselt, ist da augenscheinlich guter Dinge. Man werde Kneipp für jüngere Leute erlebbar machen, zum Beispiel mit dem 1,5 Kilometer langen Barfußpfad, der im Sommer eröffnet wird.
Ein Erlebnis soll auch die preisgekrönte Aktion „Kulinarisches Kino im Wirtshaus“ in Bad Feilnbach sein. An jedem Tag der Woche ist ein anderes Gasthaus an der Reihe. Zum Film wird ein dreigängiges Menü serviert. „Das ist die Rückbesinnung darauf, was Wirtshäuser in Bayern immer waren: Gemeinschaftsräume einer lebendigen Dorfkultur“, lobte Katja Hessel.