Kammlach So sieht man Lehrer sonst höchstens in der Freizeit: mit Spaten und Rechen mittendrin in dem, was einmal ein Blumenbeet werden soll. An der Grundschule Kammlach diente dieser Spatenstich der anderen Art jedoch der Schularbeit: Rund 20 Lehrer aus dem Landkreis beteiligten sich an einer Schulung für die Aktion „Schulen blühen auf“. Zusammen mit ihren Schülern wollen sie eine Blumenwiese anlegen, die nicht nur schön aussieht, sondern auch der zunehmenden Artenverarmung etwas entgegensetzt. Vielfalt statt Einfalt ist das Ziel.
Wildblumen senken ihre Wurzeln nicht in jeden Boden
Wie’s geht, erfuhren sie von Markus Orf, Fachberater für Gartenbau am Landratsamt, und den Umweltfachberaterinnen der allgemeinbildenden Schulen, Marie-Luise Stiba aus Erkheim und Gudrun Kissinger-Schneider aus Türkheim. Denn so eine Wiese ist durchaus anspruchsvoll. Wildblumen sind schließlich ungezähmt genug, um ihre Wurzeln nicht in jeden Boden zu senken. Mager sollte er sein, feinkrümelig und frei von Wurzelunkräutern. Das bedeutet: Ran an den Spaten, weg mit der Grasnarbe und die Erde lockern. Nur so kommt man auch an die Wurzeln von Giersch, Quecke und Co., die sonst binnen Kurzem jeder anderen Pflanze den Rang ablaufen.
Ist das Beet mit dem Rechen wieder geebnet, geht es ans Säen. Auch das will gelernt sein: Zwei Gramm Samen (und damit so gut wie nichts) reichen für einen Quadratmeter. Um das Saatgut trotzdem flächendeckend ausbringen zu können, empfiehlt Orf, es mit acht Gramm Sägespänen zu mischen. Auf einem Musterquadratmeter aus Papier konnten die Lehrer schon mal üben: Einmal längs, einmal quer, jeweils breitwürfig locker aus dem Handgelenk, landeten die Samen dort.
Sehenswert wäre sicher auch der Bodenschluss gewesen, auf den Orf im Praxisteil jedoch verzichtete: Damit die Samen nicht nur locker aufliegen, sondern festen Kontakt zur Erde haben, kann man sie entweder mit der Schaufel festklopfen oder mit alten Skiern an den Füßen über das Beet staksen. Die Mühe lohnt sich, versicherte Orf. Und zwar doppelt: Richtig gesät, wächst eine blütenreiche Wiese heran, die für Insekten den ganzen Sommer über das reinste Schlaraffenland ist. In der Kulturlandschaft dagegen endet das üppige Nahrungsangebot meist bereits im Mai schlagartig mit dem ersten Schnitt. Auch auf Hausgärten können die Tiere dann nur bedingt ausweichen: Allzu oft wachsen dort Pflanzen, die zwar sehr dekorativ, für die heimische Tierwelt aber alles andere als nahrhaft sind.
Schulen, die ihren Schülern ein Stück Natur nahebringen wollen, können noch einsteigen. Gesät werden sollte ohnehin frühestens Ende April. Hilfe finden sie bei Markus Orf (Telefon 08261/995-256), Marie-Luise Stiba (Telefon 08336/9207) und Gudrun Kissinger-Schneider (Telefon 08245/4623). Privatpersonen, die ihren Garten naturnah zum Blühen bringen wollen, können sich an die Gartenbauvereine wenden.
Und wer einfach Lust hat, beim Anlegen der Schulbeete mitanzupacken, dem empfiehlt Stiba, in der Schule anzufragen. Die Rektorin der Grundschule Kammlach, Ursula Sperr, war jedenfalls recht dankbar, dass ihre Kollegen im Praxisteil so tatkräftig zu Spaten und Rechen gegriffen und so die blühende Schul-Landschaft schon ein gutes Stück nach vorne gebracht haben.