In Sachen Dreifachturnhalle überschlugen sich gestern die Ereignisse. Bürgermeister Paul Gruschka (Freie Wähler) will den Bau des vermutlich 5,13 Millionen Euro teuren Gebäudes nach Möglichkeit verschieben. Einen entsprechenden Antrag lässt er am Montag, 23. Juni, vom Stadtrat abstimmen. Die Vereine wiederum gaben die Gründung des „Bündnisses Neue Turnhalle BW“ bekannt und bereiten sich auf ein Gegen-Bürgerbegehren vor. Die Halle soll wie vorgesehen gebaut werden, fordern die Vereine. Das gleiche Ziel hat auch die CSU.
Die Dreifachturnhalle müsse am beschlossenen Standort entstehen, fordern die Christsozialen. Dies sei eine „wichtige Zukunftsinvestition für die Schule, die (Sport-) Vereine und die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt“, teilte die CSU-Stadtratsfraktion gestern mit. Sie steht damit auf der Seite der SPD, die sich seit Wochen gegen einen Standortwechsel ausspricht. Die Halle soll auf dem Gelände der Pfarrer-Kneipp-Grund- und Mittelschule entstehen. Dagegen wendet sich ein Bürgerbegehren, initiiert vom Verein Bürgerforum Bad Wörishofen.
CSU regt Tag der offnen Tür in den bestehenden Hallen an
Die bestehende Turnhalle entspreche weder „vom räumlichen Angebot noch von den baulichen, sanitären und technischen Ausstattung her den Anforderungen und dem Bedarf der Schule und der Vereine“, so Rapp. Diese Kritik äußert auch der Bündnis Neue Turnhalle. Ihm gehören der TSV, der FCW, der Tanzsportclub, der Stammkneippverein, der Tennisclub und der Skiclub an. Es sei ein Bündnis für „die Zukunft der Kinder, Jugendlichen und Sportbegeisterten in Bad Wörishofen“.
Die CSU schlägt einen Tag der offenen Tür für die bestehende Turnhalle vor. So könnten sich die Bürger selbst einen Eindruck vom Zustand der Gebäude verschaffen.
Eine Sanierung, wie sie etwa das Bürgerforum fordert, sei erwiesenermaßen unwirtschaftlich und zudem nicht förderfähig, sagt Rapp. Sie beruft sich dabei auf die Regierung von Schwaben. Auch seien die Hallen dem steigenden Nutzungsbedarf durch Ganztagsbetreuung nicht gewachsen.
Die Schule müsse aber attraktiv bleiben, sonst werde es schwierig, junge Familien an Bad Wörishofen zu binden. „Wir möchten, dass unsere Kinder einen kurzen, ungefährlichen und witterungsunabhängigen Weg zur Schulturnhalle haben“, sagt Rapp. Die Sportstunden seien ohnehin knapp bemessen.
CSU und Vereine bemängeln außerdem, dass die bestehenden Hallen „aus allen Nähten platzen“. Es würden verstärkt Angebote für Senioren nachfragt, die aber mangels Raum nicht stattfinden können, berichtet Rapp. Diese Angebote müssten aber gefördert werden.
Mit einer Dreifachturnhalle könnten die Vereine der größten Stadt des Unterallgäus endlich auch eigene Wettkämpfe und Turniere ausrichten und müssten nicht nach Mindelheim ausweichen. „Im nahe gelegenen Parkhaus Bahnhof stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung“, findet Rapp. Das Rathaus biete weiteren Parkraum und an der Halle selbst enstünden zwischen 45 und 50 Parkplätze. Bahnhof und Busbahnhof lägen gegenüber. „Eine Zuleitung des Autoverkehrs in die Stadtmitte wird daher von uns nicht gesehen“, sagt Rapp.
Auch die Kneippanlage ist für die CSU kein Grund, den Standort zu ändern. Diese wird abgebaut. „Eine neue Kneippanlage ist in den Planungen vorgesehen“, sagt Rapp. Man rechne mit Kosten zwischen 30000 und 40000 Euro. Für die acht zu fällenden Bäume würden neue gepflanzt. Der verkleinerte Pausenhof soll mit Spielgeräten attraktiv gestaltet werden. In Sachen Verkehrsgarten gebe es noch keine Entscheidung. Die Regierung fördere zudem nur eine Schulturnhalle. Diese müsse in fünf Minuten zu Fuß von der Schule aus erreichbar sein. „Die denkbare Förderung für die beiden Teile der Schulturnhalle würde 46 Prozent betragen“, sagt Rapp und beruft sich auf ein Schreiben vom Januar 2014. Unterhaltskosten stünden erhebliche Energieeinsparungen im Vergleich zum Altbau entgegen. Kommt die Halle nicht, seien die Planungskosten verloren, gibt Rapp zu bedenken. 500000 Euro sind angesetzt, rund 200000 Euro sind bereits ausgegeben. Das Bündnis Neue Turnhalle will nach der Stadtratssitzung am Montag über das weitere Vorgehen entscheiden. Wenn es dort „zu keiner Entscheidung wie einem Ratsbegehren oder einem Beschluss kommt“, werde man „umgehend ein eigenes Bürgerbegehren auf den Weg bringen“, kündigt TSV-Präsident Hans Kolar an. Am Dienstag, 24. Juni, bietet das Bündnis um 19 Uhr eine Infoveranstaltung im Pfarrzentrum St. Ulrich an.
Versand der Unterlagen an Bauunternehmen verschoben
Bürgermeister Paul Gruschka regt derweil einen genauen Blick auf die Haushaltslage der Stadt an. Diese sei auch der Grund, warum er den Hallenbau gerne verschieben will, wie er gestern sagte: Zurückstellen, bis die „Finanzierung ausreichend gesichert“ ist. Am Standort will er dagegen nicht rütteln.
Heute sollten eigentlich die Leistungsverzeichnisse an die Unternehmen verschickt werden, die sich um den Bau beworben haben. Das wird nun nicht geschehen, sagt Gruschka. Der Versand sei auf den 19. August verschoben. Auf diese Weise will der Bürgermeister verhindern, dass Firmen Schadensersatzforderungen gegen die Stadt geltend machen können, falls ein Bürgerentscheid den Hallenbau verhindert. Gruschka spricht von zwei bis drei Jahren Aufschub, welche der Stadt in Sachen Dreifachturnhalle gut täten. Er wolle mit dem Beschlussvorschlag am Montag auch erreichen, dass das Projekt nicht auf viele Jahre hinaus erledigt ist. Dies könne seiner Ansicht nach passieren, wenn das Bürgerbegehren für einen anderen Standort erfolgreich sein sollte.
Die Stadtratssitzung am 23. Juni beginnt um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses. Sie ist öffentlich. Der Bürgermeister rechnet mit einem großen Andrang der Zuhörer.