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Silvester: Dem Herzinfarkt nahe

Silvester

Dem Herzinfarkt nahe

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    Während sich viele Menschen über das Silvesterfeuerwerk freuen, leiden Pferde ganz besonders unter dem Lärm. Unser Bild zeigt Annette Aulinger und Gitte Weber vom Mindelheimer Reitverein mit den Pferden Antaris und Speedy.
    Während sich viele Menschen über das Silvesterfeuerwerk freuen, leiden Pferde ganz besonders unter dem Lärm. Unser Bild zeigt Annette Aulinger und Gitte Weber vom Mindelheimer Reitverein mit den Pferden Antaris und Speedy. Foto: Foto: jsto

    Mindelheim Vor Jahren noch, da haben die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Mindelheim auf dem malerisch gelegenen Reitgelände gemeinsam auf das neue Jahr angestoßen. Die Stimmung war prächtig, nur nicht bei den eigentlichen Bewohnern der Anlage, den Pferden. Denen war der Abend verdorben. „Wir haben das schnell wieder bleiben lassen“, erzählt Gitte Weber. Dabei hatten die Pferdefreunde von Haus aus mit Rücksicht auf die Tiere auf Kracher verzichtet. Die Unruhe in den Stallungen war dennoch zu groß gewesen. Gerade an Silvester, wo es nach Mitternacht in der ganzen Stadt zischt und knallt. Pferde sind Fluchttiere. Ohrenbetäubender Lärm, Pfeifen und Knallen von abgefeuerten Raketen vertragen die Tiere nur schlecht. Schon ein heftiges Gewitter reicht manchmal aus, und in den Ställen herrscht nervöse Unruhe. Silvester muss man sich aus Pferdesicht als ein besonders gigantisches Gewitter mit nicht enden wollendem Donnergrollen vorstellen. Ein Tag zum Schütteln.

    Gitte Weber graut es schon wieder, wenn sie an diesen letzten Abend im Jahr denkt. Sie hat ja nicht nur ein Pferd oben im Reitstall einstehen. Gitte und Hannes Weber halten auch zwei Hunde. Die Vierbeiner kriegen jedes Mal fast einen Herzinfarkt, sagt sie, wenn die Knallerei losgeht. Gitte Weber geht an Silvester, wenn die heiße Phase rund um Mitternacht beginnt, niemals vor die Haustür. „Ich bin mit den Hunden im Bad. Das ist unser ruhigster Raum“, sagt sie. Eine halbe Stunde heißt es durchhalten, dann beruhigen sich die Tiere bei nachlassendem Lärm wieder. Ein befreundeter Landwirt sagte ihr einmal, seine Kühe drehten schier durch. Der Hof liegt in der Nähe einer beliebten Abschussrampe für Raketenknaller.

    Um die Pferde beim Reitverein kümmert sich der Pferdepfleger. Er wohnt auf dem Gelände. Am Silvesterabend dreht er stündlich seine Runde und sieht nach dem Rechten. Viel mehr als beruhigend auf die Tiere einreden kann er aber nicht. Beruhigungsmittel bekommen die Tiere keine, sagt Weber.

    Am nächsten Morgen kann jeder sehen, welche Tiere besondere Probleme mit dieser Nacht hatten. Einzelne der 32 Boxen sind regelrecht umgegraben. Die Pferde scharren aus Nervosität ständig mit den Hufen. Anderen macht der Lärm hingegen wenig aus.

    Die Vorsitzende des Reitvereins, Annette Aulinger, meint sogar, die meisten der Pferde reagierten total gelassen. Eine Stute allerdings musste vor Jahren wegen einer Kolik tierärztlich behandelt werden, so sehr hatte sie sich über den Lärm aufgeregt. Die Charaktere der Pferde seien ganz unterschiedlich. Und das gilt ganz besonders für die Nervenpolster.

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