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Lebensgefühl: Der fidele Liedermacher im Nebenerwerb

Lebensgefühl

Der fidele Liedermacher im Nebenerwerb

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    Landwirtschaft, Umweltschutz und Musik sind die drei Fixsterne im Leben von Gottfried Ness. Der Kammlacher betreibt einen kleinen Biobauernhof und schreibt Lieder, in denen er sich kritisch mit den Problemen unserer Zeit auseinandersetzt.
    Landwirtschaft, Umweltschutz und Musik sind die drei Fixsterne im Leben von Gottfried Ness. Der Kammlacher betreibt einen kleinen Biobauernhof und schreibt Lieder, in denen er sich kritisch mit den Problemen unserer Zeit auseinandersetzt. Foto: Foto: jsto

    Kammlach Seine Kühe dürfen noch jeden Tag auf der Weide grasen, kaum 50 Meter vom Stall entfernt. Und sie dürfen noch ihre Hörner stolz in den Himmel recken. Auf seinen Wiesen wächst noch eine Vielfalt an Gräsern und Blumen, und sogar die weithin verschwundenen Champignons sprießen dank der Naturdüngung via Kuhfladen. Gottfried Ness aus Oberkammlach ist Naturbursche durch und durch. Er ist einer, der weiter denkt und der vieles mit Sorge sieht, was die Moderne so an Fortschritt hervorbringt.

    „Ich bin hoffnungsloser Romantiker“, sagt er über sich selbst. Die kleine bäuerliche Landwirtschaft sieht er in akuter Gefahr. Auch in anderen Branchen entstehen immer größere Strukturen. Wenn drei Bauern im Dorf aufhören, dann sind die Flächen längst unter der Hand an den Meistbietenden vergeben, sagt er. In der Regel sind das dann Biogasproduzenten, die auf den Flächen Mais anbauen.

    Seit 20 Jahren ist Gottfried Ness aus Oberkammlach Biobauer. 35 Milchkühe und 15 Jungrinder leben zur Zeit auf dem Aussiedlerhof im Süden Oberkammlachs. 1965 waren seine Eltern hierher ausgesiedelt. Und so trägt auch er einfach den Namen „D’r Siedler“.

    Auch auf dem Hof der Familie Ness wurde anfangs auf Wachstum gesetzt. Von 15 auf 18 Rinder war Mitte der 60er Jahre in dem „Großraumviehstall“ aufgestockt worden – ein gewaltiger Sprung für die damalige Zeit. Vor 20 Jahren hat Gottfried Ness dann seinen Betrieb auf Bio umgestellt. „Das mache ich aus Berufung“, sagt er. Was er vererbt bekommen hat, das will er wohlbehalten an die nächste Generation weitergeben.

    Dabei hat sich schon so viel verändert in der Nachbarschaft. Von der idyllisch gelegenen Viehweide Richtung Osten ist so eine Neuerung zu sehen. Es ist ein Fabrikgebäude, das erst seit etwa zwei Jahren dort steht. Es wurde auf dem interkommunalen Gewerbegebiet errichtet. Hektarweise werde hier wieder bestes Ackerland der Landwirtschaft entzogen, kritisiert Ness den Flächenverbrauch.

    Nicht weit im Süden verläuft eine weitere Erscheinung der Neuzeit – die Autobahn A96. Ness gehörte früher zu den erklärten Gegnern des Baus. 150 Mark hat jeder der Aktivisten bezahlt, „damit wir uns einen Anwalt leisten konnten“.

    Vor dem Oberlandesgericht in München war dann Schluss. Die Gegner hatten den Prozess verloren. In die nächste Instanz ging es dann nicht mehr. „Wir haben uns das nicht mehr leisten können, also haben wir gesagt: Guat, baut’s halt eure Autobahn“, erzählt Ness.

    Diese Erfahrung hat der heute 56-Jährige musikalisch verarbeitet. Bei der Blasmusik spielte er die Trompete schon seit Kindheitstagen. Mit Mitte 20 hatte er sich eine Gitarre in Mindelheim gekauft und den großen Liedermachern Fredl Fesl und Reinhard Mey nachgeeifert. Damals ist das Lied vom alten Baum entstanden.

    Ness greift zur Gitarre und setzt auf Schwäbisch hinzu, „dass heasch, wia iis moin“. Es ist die Geschichte der Fichte seiner Kindheit. Der 100 Jahre alte Baum stand dort, wo heute ein Rastplatz der A96 seht. Nur noch Paragraphen zählten, sagt der Baum im Lied. Natur werde nur noch vom Büro aus erlebt. Und irgendwann sagt der Baum voller Sorge: „Ich frag mich, wie es mit Euch weitergeht?“

    Mit Musik kann sich Ness besonders gut ausdrücken. „Als Mensch musst du was gerne machen“, sagt er. Jeder braucht einen Ausgleich zum Alltag. Vor zwölf Jahren hat er eine eigene CD herausgebracht. Vorne drauf ist „D’r Siedler“ mit seinem blauen Eicher-Bulldog zu sehen. Mehr als ein Hobby sollte das aber nicht werden.

    Jetzt ist Gottfried Ness wieder auf einem Tonträger verewigt. „Schwoba-Sampler“ nennt sich die CD mit neun Gruppen und Musikern aus ganz Schwaben. Mit Rainer Wiedenmann aus Oberrieden ist gleich ein zweiter Künstler aus dem Unterallgäu vertreten. Drei Stücke stammen von Ness, dabei ist „Auf d’r Alm“. Auch da geht es um Naturzerstörung und Profit durch den Verkauf der Heimat. Wie sagte Ness im Gespräch? „Ich bin hoffnungsloser Romantiker“.

    Schwoba-Sampler“ gibt es in den Geschäftsstellen der Mindelheimer Zeitung in Bad Wörishofen und Mindelheim zu kaufen. Näheres zu Gottfried Ness: www.siedler-musik.de

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