Bad Wörishofen Einmal mehr kontroverse Diskussionen lösten die bei der Augsburger Dekankonferenz bekannt gegeben Reformen von Bischof Konrad Zdarsa in der Kneippstadt aus. Während Pfarrgemeinderatsmitglied Bernhard Ledermann von St. Justina und Raphael Steber aus Mindelheim auf facebook zum „Gebet für Bischof Konrad“ aufrufen und seine Reformvorschläge unterstützen, planen Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft St. Ulrich verschiedenste Aktionen, um der Kirche vor Ort den Rücken zu stärken. Ihrer Meinung nach sei die Umsetzung des II. Vatikanums nur mit intensiver Laien-Beteiligung möglich.
Auf Initiative des Katholischen Frauenbundes soll eine diözesanweite Aktion unterstützt werden. In Kirchdorf und Schlingen werden sich jeweils nach den Gottesdiensten, die um 10 Uhr am Sonntag, 4. März, beginnen, Menschenketten um die Kirchen bilden. Stockheim will diese Aktion bereits am Samstagabend nach der Messe um 19 Uhr starten. Eine Lichterkette um St. Michael herum soll bekunden, dass die Kirche nicht zugunsten einer Zentrumskirche geopfert werden dürfe. In St. Ulrich in der Gartenstadt ist aus baulichen Gründen eine Menschenkette um die Kirche nicht möglich, die Gläubigen wollen an den Aktionen der Nachbarpfarrgemeinden teilnehmen.
Pfarrer Dr. Anton Tischinger unterstützt diese ausdrücklich, auch er ist überzeugt, dass es viele weitere Optionen gibt, dem Priestermangel zu begegnen. „Neben der Eucharistiefeier kennen wir eine Vielfalt gottesdienstlicher Formen bis hin zu ökumenischen Feiern, die nicht abgewertet werden dürfen“, so Tischinger.
Betroffenheit herrsche laut Franz Holzleitner, der nach dem Ausscheiden der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Sabine Huber bis zu Neuwahlen dem Pfarrgemeinderat St. Ulrich voransteht, unter den Mitgliedern. Einerseits erkenne man natürlich die Zeichen der Zeit, doch andererseits wolle man für eine Kirche vor Ort weiter kämpfen. Er wünsche sich einen intensiven Dialogprozess, um einen so genannten goldenen Mittelweg gemeinsam mit dem Bischof zu erarbeiten und dann auch gemeinsam zu tragen. Holzleitner plädiert weiter für Pfarreiengemeinschaften, Fusionen befürwortet er nur auf freiwilliger Basis. „Für engagierte Christen muss mehr denn je Platz in den Kirchengemeinden sein“, so Holzleitner.
Unterstützer des Bischofs um Ausgleich bemüht
Ziel der Profilseite auf facebook ist es zuallererst, für den Bischof zu beten. „Gerade in diesen schweren Tagen braucht er den Segen Gottes“, so Bernhard Ledermann. Die Seite „Gebet für Bischof Konrad“ will er nicht als Initiative gegen bischofskritische Gruppierungen verstanden wissen. Vielmehr zeige sie, dass Priester und Laien Bischof Konrad und seine Reformvorschläge unterstützen und sich weiterhin gerne in ihrer Kirche für Gott und die Mitmenschen einsetzen wollen. Dass gerade das Engagement der Laien unabkömmlich sei und weiterhin geschätzt werde, hätten Bischof Konrad und die Diözesanleitung mehrfach betont. „Jetzt geht es um die Ausgestaltung der Reformen und um die so notwendige Verkündigung und Erneuerung unseres Glaubens an Jesus Christus“, untermauert Ledermann.
Im Namen des Pfarrgemeinderates von St. Justina wollte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Horst Waibel keine Stellungnahme abgeben (Sitzung im April). „Meine persönliche Sicht der Dinge ist, dass gerade jetzt die berühmte Stunde der Laien schlägt“, so Waibel. Das 2. Vatikanische Konzil lehre, dass die Eucharistie die Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens sei. „Deshalb verstehe ich das Anliegen von Bischof Konrad, die sonntägliche Eucharistiefeier wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Die Aufgabe von uns Laien in den Gremien, egal ob diese Pfarrgemeinderat oder Pastoralrat heißen, wird es sein, den Zusammenhalt in den Dörfern zu festigen, Fahrgemeinschaften zu bilden, Gebetskreise zu gründen“, so Waibel. Die Aufgabe der Priester werde es sein, die Laien, die Fernstehenden und die, welche sich immer zur Kirche gehörig gefühlt haben, wieder „eucharistiefähig“ zu machen. Darunter versteht Waibel, dass alle wieder um das Wesen der Eucharistie wissen, es verstehen und auch weitergeben können.
Den Vorwurf des Bischofs zwischen den Zeilen, dass die Eucharistiefeier nicht hoch genug geschätzt werde, weist Pfarrer Rudolf Gaißmayer entschieden zurück. Seit Jahrzehnten sei er bemüht, die Eucharistiefeier als Hochform des Gottesdienstes zu festigen. Dennoch dürften auch Wortgottesdienste nicht abgeschafft werden. Gaißmayer bezweifelt zudem sehr, dass größere Einheiten mehr Glaubensintensität brächten. „An kleineren Pfarrgemeinden müssen wir festhalten. Die Mitarbeit der Laien als wertvolles Gut dürfen wir nicht gefährden“, so Gaißmayer.
Mit Spannung wird dieses Wochenende das neue Hirtenwort des Bischofs erwartet. Wie im Vorfeld bekannt wurde, will Konrad Zdarsa den Weg für Reformen weisen.