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Karriere: Die Welt besser verstehen

Karriere

Die Welt besser verstehen

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    Jakob Zanker aus Kammlach mit Exemplaren der Zeitschrift „Philosophie“, für die er schreibt, vor der Theatinerkirche in München.
    Jakob Zanker aus Kammlach mit Exemplaren der Zeitschrift „Philosophie“, für die er schreibt, vor der Theatinerkirche in München. Foto: jsto

    Kammlach/München Wir treffen uns im edlen Café Tambosi am Münchner Odeonsplatz. Die Residenz ist nicht weit, der Hofgarten liegt um die Ecke. Jakob Zanker interessiert dieser Glanz des Schönen und Reichen wenig. Er ist auf seinem Radl gekommen und trägt Alltagsklamotten. Freitags hat er vorlesungfrei. Da kann sich der Student seine Zeit einteilen, wie er will. Das Philosophische Institut der Ludwig-Maximilians-Universität liegt nicht weit entfernt im Uni-Hauptgebäude. Also treffen wir uns im Tambosi zum Tee, weil’s praktisch liegt.

    Im Herbst will er nach Wien ziehen

    Vor vier Jahren hat Jakob Zanker am Maristenkolleg in Mindelheim sein Abitur abgelegt. Jetzt ist der 23-Jährige mit dem Studium schon fast durch. Er ist in Kammlach aufgewachsen, wo seine Eltern, ein Lehrerehepaar, leben. Noch drei Semester, dann hat er seinen Magister in Philosophie in der Tasche. Im Herbst will er noch für ein halbes Jahr nach Wien. Ein Stipendium aus dem Erasmus-Programm macht’s möglich.

    Gerade befasst er sich intensiver mit Jürgen Habermas, um die Welt besser zu verstehen. Ihm gefällt an seinem Studium besonders, dass er sich intensiv mit Themen auseinandersetzen kann, ohne dass ihm sofort einer sagt, was er zu tun hat. Viel Selbstdisziplin ist da gefordert.

    Zanker sagt, das Interesse an Philosophie sei bei ihm in der Schule geweckt worden. Er denkt gerne und dankbar an seine Zeit am Maristenkolleg zurück. Einige Lehrer hätten ihn sehr stark gefördert. Martin Weiß-Paschke nennt er und Hubertus Stelzer. Es sei damals ein richtiger Kreis philosophisch interessierter Jugendlicher entstanden. Man half beim Organisieren philosophischer Cafés, gründete den Verein „Philosophierende Jugend Mindelheim“ und veranstaltete auch einmal ein Wochenendseminar in Arlesried bei Erkheim, genannt „philosophisches Happening“. Als Leistungskurs belegte Jakob Zanker schließlich katholische Religionslehre.

    Beim Philosophischen Café der Schule war Jakob gerne dabei. Und er hat sich dort auch motivieren lassen, an einem philosophischen Essay-Wettbewerb teilzunehmen, der für ganz Deutschland ausgeschrieben war. Jakob machte mit seinem Aufsatz unter 260 Einsendungen gleich den zweiten Preis und durfte dafür für eine Woche zur „Philosophischen Winterakademie“ nach Münster.

    Das Magazin ist eine Erfolgsgeschichte

    Was aus all dem Nachdenken dereinst mal werden soll? Jakob Zanker macht sich darüber keine großen Sorgen. Er glaubt, dass Philosophie genügend Arbeitsfelder bietet. Ob in Verlagen, in der Wirtschaft oder weiter an der Uni. Jakob Zanker kann sich auch einen Weg in den Journalismus gut vorstellen.

    Einen ersten Eindruck hat er im vergangenen Herbst und Winter bekommen, was es heißt, Texte für eine bestimmte Zielgruppe zu schreiben. Jakob Zanker hatte sein Studium für ein Semester unterbrochen und war nach Berlin gezogen. Dort hat Wolfram Eilenberger mit einer guten Handvoll Mitstreitern das „Philosophie Magazin“ gegründet.

    Alle zwei Monate erscheint das Heft, das sich mit rund 30000 Exemplaren verkauft. Die Titelfrage des aktuellen Hefts lautet „Denken Deutsche anders?“.

    Für eine Neugründung eines Printtitels ist das eine große Erfolgsgeschichte. Jakob Zanker war von Beginn an dabei. Eilenberger hatte ihn im Sommer angerufen und ihn gefragt, ob er nicht Lust auf das Projekt hätte. Hatte er natürlich. Eilenberger ist schließlich nicht irgendwer. Als Autor von Büchern, die sich mit philosophischen Fragen befassen, hat er sich einen guten Namen gemacht.

    Nicht zuletzt war Eilenberger im Vorjahr Preisträger des Mindelheimer Philosophiepreises, den die Maristen und die Stadt Mindelheim ausloben. Diese Auszeichnung übrigens sucht ihresgleichen, weil es Jugendliche sind, die in der Jury sitzen.

    Jakob Zanker war hier nicht mehr dabei. Seine Abiturprüfung kam so gesehen etwas verfrüht. Der Preis ist erst nach seinem Abitur erfunden worden. Dennoch dürfte Eilenberger bei seinem Besuch in Mindelheim einen ganz heißen Tipp bekommen haben, wen er anrufen könnte.

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