Die Wahlparty im kleinen Saal des Forums lief bis weit nach Mitternacht. Da war es nur gut, dass Wahlsieger Hans-Joachim Weirather sich für den gestrigen Montag mit seiner Frau Hermine eine Auszeit genommen hatte. Der 53-Jährige war in gelöster Stimmung zu den Unterstützern gekommen, die den Wahlkampf ehrenamtlich gestemmt hatten.
Bürgermeister hätten Weirather zu dessen Wiederwahl am Sonntag gratuliert, berichtete ein Teilnehmer. Mit 62,29 Prozent der Stimmen war der Kandidat der Freien Wähler in seinem Amt bestätigt worden.
In Joschi’s Bar und Restaurant ging es nicht ganz so lange und hoch her. Sympathisanten der CSU hatten sich hier zusammengefunden. Die Stimmung war zwar nicht ausgelassen, aber auch nicht wirklich schlecht, sagte Klaus Holetschek, der Kreisvorsitzende der CSU. Deutlich sei der enge Zusammenhalt innerhalb der CSU gewesen. „Diese Motivation wollen wir mitnehmen“.
Das empfand auch Staatssekretär Franz Josef Pschierer so. „Wir haben eine tolle Truppe mit vielen Jüngeren!“, sagte der Mindelheimer Politiker. Für ihn sei wichtig gewesen, dass eine so große Partei wie die CSU mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen geht. Die CSU habe bestens zusammengearbeitet, „was vor Jahren nicht immer der Fall war“. Dieser Schwung werde anhalten.
Aufgefallen war noch am Wahlabend ein erkennbar besseres Abschneiden der CSU im Altlandkreis Mindelheim. „Das gilt es zu analysieren“, sagte Pschierer. Im Westen des Landkreises habe es vereinzelt 80 Prozent und mehr Stimmen für Weirather gegeben. In Ettringen, Amberg und Wiedergeltingen hat die CSU gut abgeschnitten. Holetschek vermutet, das Thema Heizkraftwerk könne eine Rolle gespielt haben ebenso wie die Frage nach einer Ortsumgehung.
Der CSU-Kreisvorstand trifft sich am heutigen Dienstagabend bereits, um das Wahlergebnis zu analysieren. „Wir werden das sachlich besprechen“, sagte Holetschek. Womöglich seien Themen zu sehr zugespitzt worden, deutete er an. Ein Ergebnis von knapp 38 Prozent gegen den Amtsinhaber sei „nicht so schlecht“, meinte Holetschek. Allerdings sei die Wahl klar verloren worden. Die CSU habe ihre Kampagnenfähigkeit zurückgewonnen. Marita Kaiser habe einen engagierten Wahlkampf geführt.
Der Wahlkampf hat allerdings Spuren hinterlassen. Der Kreisgeschäftsführer der Freien Wähler, Otto Weikmann, kündigte an, „wir sind sicher gesprächsbereit trotz der Schläge unter der Gürtellinie“. Im Sinne des Landkreises sei es sinnvoll, sich die Hand zu reichen.
Pschierer wiederum sagt, „uns hat massiv gestört, wie mit unserer Kandidatin umgegangen wurde“. Von „Gaudinudel“ sei zum Beispiel die Rede gewesen. Hier hätte Weirather einschreiten müssen, meint Pschierer. Es sei jetzt an ihm, die Dinge aus der Welt zu schaffen. Es sei aber möglich, eine gute Arbeitsgrundlage zu schaffen. Lesen Sie mehr zum Thema in der heutigen Ausgabe der Mindelheimer Zeitung. (jsto)