Tussenhausen Wie beim Eiskunstlauf waren Pflicht und Kür zu absolvieren. 1800 Musiker in 35 Blaskapellen aus der Region lieferten sich bei den Wertungsspielen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes in der Mehrzweckhalle von Tussenhausen einen beeindruckenden Wettstreit nach Noten. Zwei Tage lang war der Andrang der Blasmusikfans so groß, dass zeitweise wegen Überfüllung fast nichts mehr ging.
ASM-Bezirksvorsitzender Andreas Schuster schwärmte denn auch von einer „hochkarätigen Veranstaltung“. Er stellte einen „deutlichen Leistungsschub“ bei der Grundstufe fest und freute sich, dass auch in der Höchststufe beeindruckende Literatur gespielt wurde. Viel Lob gab es für die Flossachtaler Musikanten, die als Ausrichter des 44. Bezirksmusikfestes auch mit der Organisation der Wertungsspiele logistische Schwerstarbeit zu schultern hatten und wie Schuster sagte „einen tollen Job machten“.
Eine sechsköpfige Fachjury ermittelte die Bezirkssieger. Was für die Preisrichter bei ihrer Bewertung neben Intonation, Stimmung, Rhythmik, Zusammenspiel und Klangfarbe sonst noch zählte waren auch Tempo, Stilempfinden und der musikalische Gesamteindruck. Aus einer Liste des Bayerischen Blasmusikverbandes konnten die Teilnehmer sich ein Pflichtstück aussuchen, aber auch eine Komposition ihrer Wahl spielen.
Für den Allgäu-Schwäbischen Musikbund sind die Wertungsspiele ein absoluter Höhepunkt im Musikjahr. Die seit einiger Zeit praktizierte offene Form der Bewertung kommt gut an, weil sie mehr als früher den Konzertcharakter betont. „Das macht die Spiele für das Publikum attraktiver und auch transparenter“, findet ASM-Frontmann Andreas Schuster. Wie er stufte auch die Jury den Wettstreit der 35 Kapellen als „ein Riesenhörvergnügen“ ein. Anerkennend äußert sich vor allem Preisrichter Elmar Vögel aus Sigmarszell über das „überdurchschnittliche Niveau“ der Wertungsspiele. „Wir haben meist nur höchste Prädikate vergeben“, sagt er und fügt hinzu: „Es gibt nur wenig Musikbezirke, die so gut vorbereitet und mit viel Spaß zur musikalischen Olympiade antreten.
„Dabei sein ist alles“, findet Jungmusiker Uli Schmid aus Oberrieden. Seiner Meinung nach legt der Bayerische Blasmusikverband die Messlatte für die Wertungsspiele jedes Jahr höher. „Das erfordert von den Musikvereinen immer intensivere Probenarbeit, viel Fleiß und Disziplin“, weiß er aus Erfahrung und bemerkt „Man muss wahnsinnig viel üben, um da bestehen zu können“. Für Schmid sind die Wertungsspiele „ein Live-Erlebnis, wie es nicht alle Tage geboten wird.“
Bezirkssieger in der Höchststufe wurde das Blasorchester Kirchheim. Den Pokal in der Oberstufe holte die Jugendkapelle 2 Mindelheim. In der Mittelstufe heißt der Bezirkssieger „Musikkapelle Unteregg-Oberegg“. Den Pokal in der Unterstufe räumte die Jugendkapelle 1 Mindelheim ab. In der Grundstufe waren die jungen Musikanten des Musikvereins Kirchheim erfolgreich.
Nach den Wertungsspielen legen die Blasmusiker zunächst eine kleine Pause ein, bevor es vom 16. bis 20 Mai in Zaisertshofen heißt „Bühne frei“ für das 44. Bezirksmusikfest. Im Festzelt ist dann vier Tage Blasmusik vom Feinsten angesagt. Eine Festschrift stillt den Wissensdurst der Besucher und informiert über den genauen Programmablauf.