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Milchwirtschaft I: „Ein Nein zu Arla ist ein Ja zur Insolvenz“

Milchwirtschaft I

„Ein Nein zu Arla ist ein Ja zur Insolvenz“

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    Die Milchwerke Bad Wörishofen sind der modernste Allgäuland-Standort, findet man beim potenziellen Käufer Arla. Der in der Kneippstadt massenhaft produzierte Emmentaler sei für die Absatzmärkte USA und Kanada interessant.
    Die Milchwerke Bad Wörishofen sind der modernste Allgäuland-Standort, findet man beim potenziellen Käufer Arla. Der in der Kneippstadt massenhaft produzierte Emmentaler sei für die Absatzmärkte USA und Kanada interessant. Foto: Fotos: Heinrich

    Bad Wörishofen/Memmingen Den Eigentümern der Genossenschaft Milchwerke Bad Wörishofen steht heute Abend eine Entscheidung von großer Tragweite bevor. In der Festhalle Wolfertschwenden müssen sie darüber abstimmen, ob die Allgäuland-Käsereien GmbH an den skandinavischen Molkereiriesen Arla Foods verkauft wird.

    Das entscheiden freilich nicht die Bad Wörishofer alleine. Insgesamt gibt es sechs Allgäuland-Genossenschaften, die sich bis nächsten Montag entscheiden müssen. Doch das Kneippstädter Votum hat Gewicht, die Milchwerke gehören zu den größten Allgäuland-Eignern. Und es ist das modernste der verbliebenen Werke, wie Arla-Deutschlandchef Torben Olsen der Mindelheimer Zeitung sagte. Für die Milchwerke Bad Wörishofen und die dort beschäftigten 50 Mitarbeiter gebe es deshalb „eine gute Chance“, dass der Standort nach einer Übernahme nicht verkauft wird. Diesen Verkauf hatte Allgäuland-Geschäftsführer Paul Ritter für den Fall angekündigt, dass Allgäuland mit Hilfe von landwirtschaftsnahen Geldgebern alleine weitermachen kann. Auch wäre der in der Kneippstadt massenhaft hergestellte Emmentaler „interessant“ für die Arla-Absatzmärkte in den USA und in Kanada, sagte Olsen. Eine Standortgarantie gab er für Bad Wörishofen aber ebenso wenig ab wie für die anderen Werke in Riedlingen, Sonthofen und Kissleg.

    Aus der Bauernschaft war gestern zu hören, dass die Wörishofer einem Verkauf wohl zustimmen werden. Schon die Infoveranstaltung in der vergangenen Woche sei in vernünftigen Bahnen verlaufen, berichtet ein Teilnehmer. Bei der Infoveranstaltung des Milchwerks Donau-Alb sei es dagegen „chaotisch hergegangen“, berichtet ein Teilnehmer in der Schwäbischen Zeitung. Allgäuland-Aufsichtsragschef Kuno Rumpel weist diese Darstellung allerdings zurück.

    Vor den Abstimmungen wird Olsen selbst zu den Bauern sprechen. Schon bei der Pressekonferenz gestern am Allgäu Airport redete er Klartext. „Ein Nein zu Arla ist ein Ja zur Insolvenz“, sagte Olsen. „Ich hoffe, dass sich die Mitglieder sehr gut überlegen, welche Verantwortung sie auf sich nehmen.“ Torben Olsen will nun die abtrünnigen Bauern überzeugen, ihre ausgesprochenen Kündigungen bei Allgäuland wieder zurückzunehmen. Arla kauft Allgäuland nur, wenn eine jährliche Milchmenge garantiert wird. Halten alle Bauern ihre Kündigungen aufrecht, fällt die Menge bereits im nächsten Jahr unter diese Marke. Olsen bietet den Bauern deshalb eine Partnerschaftszulage auf den Milchpreis an. Um diese zu erhalten, müssen die Bauern Arla nach der Übernahme drei Jahre lang die Treue halten. Kündigen sie oder nehmen sie ihre Kündigungen nicht zurück, gibt es keine Partnerschaftsprämie. Wer also in diesem Jahr mit der üblichen zweijährigen Frist gekündigt hat, muss für diese Zeit mit weniger Milchgeld, laut Olsen 0,7 Cent pro Kilogramm, leben als Bauern, die Arla Treue geloben. „Dieser Vertrag ist fair“, sagt Olsen. „Wir setzen auf Partnerschaft.“ Ob die Bauern das auch so sehen, wird sich heute Abend zeigen. Andere Angebote an die Lieferanten gibt es zuhauf. Die Molkerei Zott beispielsweise hat ein Angebot gemacht (siehe Artikel unten), das Gesamtbetriebsratschef Stephan Heiß gestern „unmoralisch“ nannte. „Nicht einmal wir wissen, was eine Insolvenz von Allgäuland kosten würde, wie will das Zott wissen“, fragt Heiß, der im Milchwerk Bad Wörishofen beschäftigt ist. Alle Beteiligten haben gestern deutlich gemacht, dass der Verkauf von Allgäuland an Arla der einzig richtige Weg ist. Eine eigenständige Lösung ist vom Tisch, ebenso die geplante Fusion der sechs Allgäuland-Genossenschaften. Diese hält Aufsichtsratschef Kuno Rumpel aber für weiter sinnvoll, um den Molkereien als gewichtiger Verhandlungspartner entgegentreten zu können. Im nächsten Jahr könne man darüber nachdenken, so Rumpel. Der Plan zur Übernahme sieht derweil vor, dass jede Genossenschaft einen eigenen Milchliefervertrag mit Arla unterschreibt. Dazu schließt Arla mit allen Landwirten eigene Verträge ab. Damit soll verhindert werden, dass die Bauern dem neuen Eigentümer schnell den Rücken kehren, beispielsweise mit Sonderregelungen wie einer GbR-Gründung, wie das in der Genossenschaft Milchwerke Bad Wörishofen möglich ist. Viele Bauern haben diese Ausstiegsmöglichkeit genutzt. „Es gibt zu Arla keine Alternative“, sagte Geschäftsführer Ritter gestern. „Wenn die Bauern nicht zustimmen, wird das Ende nahe sein“, ergänzte Aufsichtsratschef Rumpel.

    "Wirtschaft Seite 23

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