Begonnen hat das ehrenamtliche Engagement der beiden, das, wie Landrat Hans-Joachim Weirather in seiner Laudatio bei der Vergabe der Medaillen hervorhob, "weit über das normale Maß hinausging", 1978. Oskar Schalk war damals Gemeinderat in Oberrieden und als solcher Ortswaisenrat. Als die Mutter von Anton Spring starb, wurde er als ehrenamtlicher Vormund des zwar bereits erwachsenen, aber schwer sprachbehinderten Mannes eingesetzt.
Anfangs hat Oskar Schalk seine Geschäfte geführt, sich um Rechnungen, den kompletten Schriftverkehr und Behördengänge gekümmert. Später hat der heute 76-Jährige Stunden in den Wartezimmern von Ärzten verbracht, als eine Art "Dolmetscher" fungiert, Fahrdienste übernommen und ihm schließlich zusammen mit seiner zwei Jahre jüngeren Frau immer stärker bei der Bewältigung seines Alltags geholfen.
Viktoria Schalk hat bis zu seinem Tod vor zwei Jahren für Anton Spring gewaschen, gebügelt, geputzt und das Grab seiner Familie gepflegt - zusätzlich zu ihrem eigenen Haushalt mit drei Kindern und der Pflege ihrer Eltern.
Nicht das einzige Ehrenamt des Ehepaars
Ob ihnen das nicht manchmal alles zu viel geworden ist? "Ja mei", antworten die beiden, "da ist man reingewachsen. Wir haben den Anton ja mögen. Der hat halt zur Familie gehört." Deshalb haben sie sich auch dann noch um Anton Spring gekümmert, als Oskar Schalk nach 20 Jahren längst nicht mehr Gemeinderat war. Sie haben mehrmals in der Woche in seiner Wohnung nach dem Rechten geschaut, ihre eigene Haustür stand immer für ihn offen.
"Sie haben für einen Mitbürger Beispielhaftes geleistet und damit ein Zeichen der Menschlichkeit gesetzt", lobte Weirather. Er ist überzeugt, dass ohne die Hilfe des Ehepaares eine Unterbringung im Heim unabwendbar gewesen wäre. So aber hätten sie es Anton Spring ermöglicht, weiterhin in seinem bekannten Oberrieder Umfeld zu leben.
Auch Bürgermeister Georg Leinsle bedankte sich im Namen der Gemeinde für das jahrzehntelange Engagement. "Wir sind stolz, dass Bürger aus Oberrieden eine solch hohe Ehrung bekommen", sagte er. Er wisse sehr genau um den besonderen ehrenamtlichen Einsatz des Ehepaares, der beileibe keine Selbstverständlichkeit sei. Zumal es nicht das einzige Ehrenamt ist, das die beiden ausgefüllt haben: 48 Jahre hat Viktoria Schalk im Kirchenchor gesungen, ihr Mann 40 Jahre bei der Sängervereinigung in Mindelheim. Daneben arbeitete Oskar Schalk im Vorstand von Schützen- und Sportverein sowie 20 Jahre lang als Gemeinderat und genauso lange als Ortschronist.
Dass die Anerkennung für all das nun in zwei Bundesverdienstmedaillen mündet, hat die Eheleute schon gefreut. "Das hätten wir ja nie gedacht", sagen sie. Dass sie sich die Medaillen aber auch einmal ans Revers heften und sie öffentlich tragen werden, halten beide für eher unwahrscheinlich. Denn sie sind - wie gesagt - bescheidene Leute.