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Memminger Frauenhaus: Endlich nicht mehr Opfer sein

Memminger Frauenhaus

Endlich nicht mehr Opfer sein

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    Häusliche Gewalt kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor. Nicht nur körperliche Gewalt ist damit gemeint.
    Häusliche Gewalt kommt in allen Schichten der Gesellschaft vor. Nicht nur körperliche Gewalt ist damit gemeint. Foto: Archiv: Furthmair

    Maria (Name geändert) ist eine hübsche, temperamentvolle junge Frau. Sie wirkt lebenslustig, selbstbewusst – und nicht im Geringsten wie das Opfer, das sie bis vor wenigen Monaten über Jahre hinweg war. Ein Opfer häuslicher Gewalt.

    Direkt geschlagen habe ihr Mann sie nie, sagt Maria. Aber tagelang nicht mit ihr geredet. Oder aber er habe sie aufs Übelste beleidigt und gedemütigt. Sie könne nichts, sei zu nichts zu gebrauchen, bekam die Akademikerin so lange zu hören, bis sie es irgendwann selbst zu glauben begann. Er zog sie an den Ohren, packte sie und schlug immer wieder ganz dicht neben ihrem Kopf mit der Faust gegen die Wand. „Die Gewalt war allgegenwärtig“, sagt Maria.

    Die Anlässe für derartige Ausbrüche konnten nichtiger kaum sein: An dem Tag, der das Leben Marias und ihrer beiden Kinder entscheidend veränderte, war es die Suppe, die ihrem Mann nicht gelungen war. Obwohl Maria alles versucht, um ihn nur ja nicht zu reizen, geht er schließlich auf sie los. „Ich hatte furchtbare Angst“, sagt sie. Die Situation eskaliert, als die Tochter ihrer Mutter helfen will und er auch sie angreift. Er würgt das Mädchen – und legt damit bei Maria den entscheidenden Schalter um: „Wenn er das nicht getan hätte, wäre ich vielleicht geblieben“, sagt sie. So aber ruft sie in einem unbeobachteten Moment die Polizei. Fürs Erste kommen sie und die Kinder bei ihrer Schwester unter. Doch schon bald rät ihr ihr Schwager, sich an ein Frauenhaus zu wenden. Noch heute ist sie ihm dankbar dafür. Denn, so Maria, „die Familie ist Teil der Geschichte, sie ist voreingenommen“. Und damit keine echte Hilfe.

    Die findet Maria – wie jährlich bis zu 40 Frauen – im Memminger Frauenhaus. Mitarbeiterinnen des Frauenhauses  begleiten Maria zum Anwalt, zum Jugendamt, zur Arbeitsagentur, vermitteln ihr und ihrer Tochter einen Therapeuten und haben vor allem immer ein offenes Ohr. Auch jetzt noch.

    Maria hat Arbeit gefunden und will sich so schnell wie möglich scheiden lassen. „Ohne Hilfe hätte ich das nicht geschafft“, sagt sie voller Dankbarkeit. „Durch das Frauenhaus habe ich endlich klar gesehen. Vorher war ich so blind. Ich wollte diese Seite meines Mannes nicht sehen. Ich habe ihn ja geliebt.“ Ein weiterer Ansporn waren ihre Kinder: „Sie sollten erleben: Es geht auch ohne jemanden, der uns bedroht.“ Opfer war Maria lange genug – und will sie nie mehr werden.

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