Aus der Ferne betrachtet wirkt der Blick Marias ein wenig skeptisch, vielleicht sogar streng. Auf jeden Fall aber so fesselnd, dass man unwillkürlich näher tritt und in diesem Blick versinkt, der jetzt plötzlich viel sanfter erscheint. Die Ikone scheint ihren Betrachter nicht nur anzublicken, sondern direkt in ihn hineinzuschauen. Gemalt hat sie Heinrich Wolf, freischaffender Künstler aus Bad Wörishofen, der auf Einladung der Freunde Pfaffenhausens in der Schranne eine kleine Auswahl seines vielfältigen Schaffens zeigt.
Zu sehen sind Zeichnungen, Skulpturen, Malereien – und für den, der sich darauf einlässt, Gott selbst. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Betrachter – wie Kaplan Florian Markter in der Laudatio anschaulich darlegte – das Bild nicht nur erblickt, sondern in dieses eintaucht. „Hier ist nicht nur ein gemaltes Bild, hier ist ein Abbild des Himmels. Hier ist die göttliche Wirklichkeit selber anwesend“, sagte er.
Durch die in der Ikonenmalerei geltenden Regeln, die kaum künstlerische Freiheit erlauben, trete der Künstler völlig hinter das Werk zurück, „damit das Werk den Blick in den Himmel freigeben kann“. „Wenn Sie also vor einer Ikone oder auch einem Objekt stehen, dann verstehen Sie es erst, wenn Sie eine Beziehung dazu aufbauen.“ Es gehe darum, nicht nur auf eine Christus–ikone zu schauen, sondern sich in einer geistlichen Haltung von Christus anschauen zu lassen und so schließlich Gott zu finden, zu empfangen. Sicher nicht zufällig hat Wolf die Ausstellung mit dem Psalm 63 betitelt: „Gott, Du mein Gott, Dich suche ich!“
Seine Werke legen nahe, dass er ihn gefunden hat. Sie verleihen seinem Glauben Ausdruck – in berührender Stärke: Da ist zum Beispiel die heilige Dreifaltigkeit, das Meisterstück des Holzbildhauers, die aus einem grob zugehauenen Balkenstück herauswächst und der man sich als Betrachter nicht entziehen kann. Sie strahlt etwas aus, das über das rein Künstlerische hinausgeht. Gleiches gilt für die Christus-Ikone, die er in eine selbst gedrechselte runde Holzschale gemalt hat: Nach dem Malen hat er das Antlitz Jesu wieder halb herausgeschliffen und es mit Tusche um dessen dornengekröntes Haupt ergänzt: Leben und Leid, zwei gegensätzliche Pole, die sich nach Ansicht von Martin Schröder häufig in den Werken Wolfs wiederfinden.
Der Kunstpädagoge, zugleich einer der Vorsitzenden der Freunde Pfaffenhausens, hatte an der Seite Markters den künstlerischen Part der Ausstellungs-Einführung übernommen und Wolf darin unter anderem als „Nischenkünstler“ gewürdigt. Er besinne sich auf uralte künstlerische Techniken zurück, greife fast ausschließlich christlich überlieferte Motive und Themen auf und versuche, diese für sich als Mensch und Künstler in der Gegenwart auszudrücken und zu interpretieren.
Das Interesse daran war bereits bei der Ausstellungseröffnung gewaltig: Zahlreiche Besucher drängten sich in der Schranne.
Öffnungszeiten Zu sehen ist die Ausstellung am Sonntag, 18. März, und am Sonntag, 25. März, jeweils von 11 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung in der Schranne in Pfaffenhausen.