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Pallium: Für ein würdevolles Sterben daheim

Pallium

Für ein würdevolles Sterben daheim

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    Wenn das Licht des Lebens langsam verglüht, möchten viele die letzten Wochen, Tage und Stunden daheim verbringen. Eine Unterallgäuer Familie hat das Angebot der neuen „Pallium gGmbH“ in Anspruch genommen und ist froh, auf diese Weise Abschied von Ehemann und Vater genommen zu haben.
    Wenn das Licht des Lebens langsam verglüht, möchten viele die letzten Wochen, Tage und Stunden daheim verbringen. Eine Unterallgäuer Familie hat das Angebot der neuen „Pallium gGmbH“ in Anspruch genommen und ist froh, auf diese Weise Abschied von Ehemann und Vater genommen zu haben. Foto: © Mirscho/Fotolia.com

    Unterallgäu Das Porträtbild zeigt einen lachenden Mann im besten Alter. Gesund sieht er aus, sportlich, unternehmungslustig und voller Zuversicht. Die Aufnahme stammt von Weihnachten 2012. Elf Monate später dient sie als Vorlage für das Sterbebild. Josef Mayer (alle Namen auf Wunsch der Familie geändert) ist nach monatelanger Leidenszeit im Alter von 59 Jahren an den Folgen einer unheilbaren Krebserkrankung gestorben. Seine Frau Lieselotte wollte, dass er so lebensfroh in Erinnerung bleibt.

    Ihr Mann war sportlich, lebensfroh und reiselustig

    Lieselotte Mayer ist Mitte 50. Geblieben sind ihr die Erinnerungen an eine glückliche Ehe und ihre beiden Kinder Peter, 16, und Lisa, 23. Sie erzählt die Geschichte ihres Mannes, die doch so unendlich traurig ist, vier Wochen nach dessen Tod sehr gefasst. 35 Jahre lang hat er als Lehrer gearbeitet. Jede Sekunde genoss er, ist gerne in die Berge gegangen und Rad gefahren. Mit dem Wohnmobil zog es ihn mal nach Venedig, nach Südtirol oder an den Gardasee. Gott sei Dank, sagt Lieselotte Mayer, ist er so viel gereist und hat nicht alles auf den Ruhestand verschoben.

    Mitte April traf es Josef Mayer wie aus heiterem Himmel. Er hatte sich plötzlich unwohl gefühlt. Nichts Schlimmes, dachte er, und ging dann doch zum Arzt. Er war immer gesund, immer fit. Was sollte da schon groß sein?

    Ihn und seine Familie traf es wie ein Schlag. Die schlimmsten Befürchtungen sollten sich bewahrheiten. Es war eine niederschmetternde Diagnose. Josef Mayer war unheilbar an Krebs erkrankt. Kaum mehr als ein paar Monate mochten die Ärzte ihm noch geben.

    Für Josef Mayer und seine Familie brach eine Welt zusammen. Wie soll man auch mit einer solchen Nachricht umgehen? Wie soll man weiter leben, dem Leben schöne Seiten abgewinnen, wenn das Ende so naht?

    Die Ärzte rieten zu Chemotherapie. Weniger eine Heilung war das realistische Ziel als eine Lebensverlängerung. Josef Mayer musste x-mal ins Krankenhaus. Er wurde immer stiller, hat wenig erzählt, erinnert sich seine Frau heute. Nichts sehnlicher wünschte er, als daheim zu sein, mit Blick auf seinen geliebten Garten. Es war die Zeit, in der eine wichtige Entscheidung in der Familie heranreifte.

    Lieselotte Mayer nahm Kontakt zum St. Elisabeth Hospizverein auf. Die Mitarbeiterin Heidi Hailand besuchte die Familie immer wieder und hielt telefonisch intensiven Kontakt. Die praktische und psychologische Unterstützung war der Familie eine sehr große Hilfe. Auch die Information, dass für Herbst die Gründung eines ambulanten Palliativdienstes geplant wäre, eröffnete ganz neue Perspektiven für die Planung der kommenden schweren Krankheitsphase.

    Zudem wurde der Familie der ehrenamtlich arbeitende Hospizhelfer Robert Endres an die Seite gestellt, der den Kranken regelmäßig besuchte und dadurch den anderen Familienangehörigen immer mal wieder zu einer Stunde „Freizeit“ verhalf. Ein ehrenamtlich arbeitender Helfer betreute die Familie dann von Mai an. Es war eine wertvolle und positive Erfahrung für alle, sagt Lieselotte Mayer.

    Sohn und Tochter begleiten den Vater beim Sterben

    Auch die Kinder haben sich auf das Abschiednehmen einstellen müssen. Diese Erfahrungen hat sie zusammengeschweißt. Die Tochter hat ihr Studium auf Eis gelegt und mitgeholfen, dass ihr Papa in Ruhe daheim sterben konnte. Auch der Sohn hat sich rührend um seinen sterbenden Vater gekümmert und eine tiefe Beziehung aufgebaut. „Seither schimpfe ich nie mehr auf Jugendliche“, sagt ihre Mutter.

    Das Leben spielte sich fast nur noch im Erdgeschoss des Hauses ab. Die Kinder und die Frau schliefen direkt nebenan auf Matratzen, um immer da zu sein, wenn Hilfe notwendig war. Am 4. November wurde das SAPV gegründet, was für „Spezialisierte ambulante palliative Versorgung“ steht, die gemeinnützige Pallium gGmbH. Schon zwei Tage später stellte Heidi Hailand vom Hospizverein den Kontakt her. Für die Familie sollte es eine wundervolle Erfahrung werden – bei allem Schmerz um Mann und Vater.

    Die letzten zehn Tage im Leben von Josef Mayer kümmerten sich Dr. Matthias Mennicke, Eva-Maria Mair und Anne Zeller um den Sterbenden und seine Familie. „Sie waren immer da, wenn wir Hilfe gebraucht haben“, erzählt Lieselotte Mayer. Sie habe es als extrem wohltuend empfunden, dass nicht mehr alle Last auf ihren Schultern lastet. Als einmal die Schmerzen nicht mehr zu ertragen waren, rief sie mitten in der Nacht um Hilfe – und erhielt sie auch. Pflegeleiterin Mair hat sogar mitgeholfen, den Verstorbenen zu waschen und anzuziehen. „Dass sie mir dabei geholfen hat, war wunderbar“, sagt Lieselotte Mayer.

    Auch nach dem Tod ist der Kontakt nicht abgerissen. Eva-Maria Mair und Dr. Mennicke haben wiederholt vorbeigeschaut und sich nach der Familie erkundigt. Lieselotte, Peter und Lisa werden ihr Leben lang nicht vergessen, wie sehr das neu gegründete Team ihnen geholfen hat.

    Lieselotte Mayer hat noch eine Botschaft für alle: „Ich kann alle Betroffenen nur ermuntern, sich über ihren Hausarzt diesen Dienst verschreiben zu lassen.“ Ein Nachbar war nach dem Tod ihres Mannes vorbeigekommen und hat gesagt, er wolle für Pallium spenden. Er hat mitbekommen, was diese Hilfe bedeuten kann. Jeder kann betroffen sein.

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