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01. Februar 2012 13:09 Uhr

Kriminalität

Gewaltige Ausnahmen

Zwei Polizeieinsätze an der Mittelschule Mindelheim wirken alarmierend. Doch wie sieht es wirklich an den Schulen aus?

Szenen wie diese gibt es sicher auch auf den Schulhöfen im Unterallgäu immer wieder. Fakt ist aber auch: Insgesamt ist die Zahl sogenannter Schulhof-Delikte deutlich geringer als es diverse Fernsehserien vermuten ließen.
Foto: Wolfgang Langenstrassen, dpa

Jugendliche, die hemmungslos aufeinander einprügeln, während andere tatenlos zusehen, bewaffnete Schüler, die von jüngeren „Schutzgeld“ erpressen, oder quasi vor den Augen der Lehrer mit Drogen handeln: Wer nachmittags den Fernseher einschaltet, kennt diese Bilder. Mit der Realität haben sie – zumindest auf den Schulhöfen im Unterallgäu – jedoch wenig gemeinsam, erklärt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, Christian Owsinski.

Zwar hat es, wie berichtet, kürzlich auch zwei Polizeieinsätze an der Mittelschule in Mindelheim gegeben. Bei einem der Fälle – die Polizei war wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verständigt worden – handelte es sich jedoch offenbar um einen Fehlalarm. Und beim zweiten, in dem ein älterer Schüler einen jüngeren um einen Euro angeschnorrt und dabei gewalttätig geworden sein soll, ist noch weitgehend unklar, was sich tatsächlich zugetragen hat.

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Insgesamt, so Owsinski, sei die sogenannte Schulhofkriminalität in der Statistik ein eher kleiner Posten. „Weil die Fallzahlen so gering sind, gibt es nicht einmal eine Aufschlüsselung nach einzelnen Orten oder Schulen.“ Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, der sich von Lindau im Südwesten über Oberstdorf und Füssen im Süden bis nach Neu-Ulm im Norden erstreckt, seien im Jahr 2010 demnach 737 Straftaten an Schulen registriert worden, 148 weniger als 2009. Wie viele es im vergangenen Jahr waren, ist noch nicht erfasst.

Was ebenfalls auffällt: Der Großteil der Delikte ist von der im Fernsehen gezeigten exzessiven Gewalt weit entfernt. Am häufigsten sind demnach einfacher Diebstahl (195 Fälle), gefolgt von Sachbeschädigung (138 Fälle) und einfacher Körperverletzung (95 Fälle). Daneben registriert die Statistik 78 Fälle von schwerem Diebstahl, 19 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, 29 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie 18 Fälle von Bedrohung.

Verhältnismäßig hoch ist mit 31 die Zahl der Sexualdelikte. Wie der Polizeisprecher erklärt, ist dies jedoch vor allem auf eine Serie von 16 Einzeldelikten zurückzuführen: Eine Gruppe von sechs Minderjährigen hatte Mitschülerinnen sexuell beleidigt und genötigt.

Was die Statistik freilich nicht erfasst, ist die Dunkelziffer. Nicht jede, möglicherweise auch heftige, Schlägerei unter Schülern wird schließlich angezeigt.

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