Kammlach Ein schwarzer Rosskamm auf gelben Grund, der von einem blauen Bächlein geteilt wird: So sieht es aus, das Wappen der Gemeinde Kammlach. Doch was so relativ schlicht erscheint, ist bei näherem Hinsehen ziemlich komplex. Unklar ist nämlich, wie der Bach im Wappen korrekt heißt.
„Kammel“, sagen die einen, ortsansässig seit Generationen, und verweisen auf Ortspläne und Radwegebeschilderungen, in denen vom „Kammelradweg“, der „Kammelquelle“ oder eben schlicht der „Kammel“ die Rede ist. „Kammlach“ sagen die anderen – und berufen sich ebenfalls auf Karten: Im Katasterplan des Vermessungsamts ist die dünne blaue Linie mit „Kammlach“ beschriftet, in einer Generalkarte von Deutschland ebenfalls – zumindest südlich von Krumbach. Nördlich davon wird aus der Kammlach dann nämlich auch hier die Kammel.
Müsste es nicht „Kammeltal“ heißen?
Aufgeworfen hat die Frage nach der richtigen Bezeichnung eine Besucherin der Facebook-Seite der Mindelheimer-Zeitung. Ihr war aufgefallen, dass die Rastplätze an der A96 bei Oberkammlach seit wenigen Wochen mit Hinweisschildern versehen ist, die die Plätze als „Kammlachtal-Süd“ beziehungsweise „Kammlachtal-Nord“ ausweisen. „Muss dass denn nicht Kammeltal heißen?“, fragte sie reichlich irritiert und bat um Klärung.
Die war dann gar nicht so einfach, wie anfangs gedacht: Kammlachs Bürgermeister Josef Steidele weiß, dass die Bürger ihren Bach als Kammel kennen. Allerdings sei er in offiziellen Dokumenten schon häufiger auf den Namen „Kammlach“ gestoßen. Und auch in der Ortschronik heißt es: „Kammlach liegt ca. 7 km westlich von Mindelheim im Tal des gleichnamigen Baches, der beide Ortsteile durchfließt.“
Eine Rückfrage bei der Dienststelle der Autobahndirektion Südbayern in Kempten, die das Schild aufgestellt hat, bringt ebenfalls keine Klarheit. Fest steht nur: 2006 hat der Bund beschlossen, größere Autobahnrastplätze mit Flur- oder landschaftsbezogenen Namen zu versehen. Die Autobahndirektion hat daraufhin dem Landratsamt Unterallgäu den Namen „Kammlachtal“ vorgeschlagen. Dort schaute man sicherheitshalber in die Rechtsverordnung der Regierung von Schwaben für Gewässer dritter Ordnung – wo der Bach als Kammel geführt wurde. Reisende sollten deshalb künftig im „Kammeltal“ rasten.
Das wiederum stieß im Landkreis Günzburg auf Bedenken, wo es zwischen Burgau und Ichenhausen eine Gemeinde gleichen Namens gibt. Mit dem Hinweis auf die Verwechslungsgefahr – ein Autofahrer könnte von der Autobahn abfahren und sich in der Günzburger Gemeinde wähnen – blieb es deshalb in Rücksprache mit der Gemeinde Kammlach bei „Kammlachtal“.
Und der Bach? Oberflussmeister Martin Merk von der Flussmeisterstelle in Türkheim fischt nicht lange im Trüben. Im Gewässeratlas stehe eindeutig zweideutig: Kammlach – und dahinter in Klammern „Kammel“.