Mindelheim 18. Dezember, 0 Uhr: Mindelheim hat seinen ersten Stadtrat mit türkischen Wurzeln. Nachdem Ingrid Friedrich um Entlassung aus dem Ehrenamt gebeten hatte, weil sie als Leiterin der Verwaltungsgemeinschaft in Erkheim nicht mehr genug Zeit für die Mindelheimer Stadtpolitik finde, wurde im Silvestersaal der 43-jährige Mehmet Yesil in sein Amt eingeführt. Der Sozialdemokrat legte seinen Eid ab, „so wahr mir Gott helfe“.
Bürgermeister Dr. Stephan Winter von der CSU, der lange Zeit politischer Rivale der engagierten Sozialdemokratin Friedrich war und gegen Friedrich erst in einer Stichwahl im Jahr 2002 gewann, fand anerkennende Worte für die 55-Jährige. Sie sei oft kritisch gewesen, aber immer konstruktiv und fair, sagte Winter. Ihm mache dies keine Freude, die Kollegin in den „vorzeitigen Ruhestand“ zu schicken. Friedrich habe den Stadtrat oft weitergebracht und beeinflusst.
Friedrich: Rückzug allein der beruflichen Belastung geschuldet
Ingrid Friedrich zeigte sich gerührt ob der anerkennenden Worte. Es sei ihr fast peinlich, weil sie sich selbst immer wieder gesagt habe, „ich hätte mehr machen müssen“. Jeder sei ersetzbar, jeder Wechsel sei zugleich Chance. „Wirklich und wahrhaftig“ sei ihr Rückzug der neuen beruflichen Tätigkeit geschuldet. Für die themenbezogene Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg bedankte sie sich.
Ihrer jahrelangen Nachbarin im Stadtrat, Rosina Rottmann-Börner von der ÖDP, bescheinigte sie, auf gleicher Wellenlänge zu liegen. Weniger schön sei gewesen, dass die Mehrheit über Argumente gesiegt habe. Ihr sei es nie um Personen, immer um die Sache gegangen.
Lob bekam auch die Stadtverwaltung, die sich mit ihren Anfragen habe herumplagen müssen. Dem Stadtrat wünschte sie gute, gerechte und immer sachliche Entscheidungen, „die hoffentlich von der Bürgerschaft akzeptiert werden“.
Was ein Stadtrat mit einem Pantoffel gemein hat
SPD-Stadtratskollege Peter Schmid versuchte den Verlust von Ingrid Friedrich nach 16 Jahren im Ehrenamt poetisch zu verarbeiten. Ein Stadtrat und ein Pantoffel würden gemeinhin erst liebgewonnen, wenn sie beide abgetreten sind. Das Pflichtgefühl der Ingrid Friedrich unterstrich Schmid besonders. Den Gutschein überreichte er mit den Worten im Frundsberg-Stil: „So nimm jetzt diesen Fetzen und geh essen.“
Mehmet Yesil ergriff in seiner ersten Sitzung als Stadtrat noch nicht das Wort – vom Eid einmal abgesehen. Yesil lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie in Mindelheim. Er ist bei der Firma Grob als Industriemechaniker beschäftigt.