Oberrieden Der bedauernswerte Zustand einer Schimmelstute hat in der vorigen Woche nicht nur das Veterinäramt Unterallgäu auf den Plan gerufen. Auch der Tierarzt, der das Pferd seit Jahren kennt und behandelt, wurde eingeschaltet. Dieser Fachtierarzt für Pferde hat nun ein tierärztliches Attest erarbeitet. Die Besitzerin des Pferdes, Nadine Ronge aus Oberrieden, hat den Bericht jetzt unserer Zeitung zugänglich gemacht. Sie fühlt sich zu Unrecht in der Kritik.
Der Tiermediziner bescheinigt dem 18-jährigen Schimmel einen guten Pflegezustand. Das Tier sei geputzt gewesen, die Hufe ordentlich hergerichtet. Das Pferd sei mittelgradig bis hochgradig abgemagert.
Das Pferd habe eine hochgradige chronische obstruktive Bronchitis mit deutlicher Belastung des Herzens. Gleichwohl sei es während der ganzen Untersuchung aufmerksam gewesen, habe gefressen und sich bewegt. Bereits 2008 habe der Mediziner eine Cortison-Therapie vorgeschlagen. Dies sei aber nicht gemacht worden.
Die Abmagerung des Tieres sei zu einem Teil auf den Gesundheitszustand von Herz und Lunge zurückzuführen. Der Veterinär hält es für möglich, dass die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD für die Abmagerung verantwortlich sei. Denkbar sei aber auch, dass das Tier zu wenig Futter erhalten habe.
Medikamente könnten den Leidensdruck abschwächen
Dem hält Nadine Ronge den guten Zustand der Stallkollegin entgegen. „Sie bekommt das gleiche Futter, ist aber sehr gut ernährt“. Nach Ansicht des Tierarztes leidet die Schimmelstute nicht unter Schmerzen. Der Leidensdruck könnte aber durch Medikamente abgeschwächt werden.
Die Erkrankung sei aber nicht mehr heilbar. „Daher muss zukünftig eine Therapie eingeleitet werden, um dem Pferd ein unter dem Aspekt des Tierschutzes gerechtes Leben zu gewähren“, schreibt der Tierarzt. Sollte es zu dieser Therapie nicht kommen, so sei „unter dem Aspekt des Tierschutzes das Pferd einzuschläfern“.
Die Halterin des Pferdes will es so weit nicht kommen lassen und versicherte im Gespräch mit der MZ, die Cortison-Behandlung werde vorgenommen. Das Pferd liege ihr sehr am Herzen. Neun Jahre lang war sie damit geritten, „jetzt bin ich für es da“. Sie habe schon alles mögliche versucht, um dem Pferd zu helfen – von Homöopathie bis Abbeten.
Auf ihrem Hof will sie auch ältere und gebrechliche Pferde halten, die nicht mehr geritten werden können, aber auch nicht leiden.
Der Darstellung im MZ-Bericht, ein im Februar auf dem Hof erschossenes Pferd sei erst tags darauf abgedeckt worden, widerspricht Ronge. Das 31 Jahre alte Pferd sei am Abend mit einem Bolzenschussapparat erlöst worden. Es sei mit einer Plane für den Transport nach Kraftisried abgedeckt worden. Der Kadaver sei tags darauf zur Mittagszeit abgeholt worden.