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Spielwarenmesse: Nasenbohren im Akkord

Spielwarenmesse

Nasenbohren im Akkord

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    Nur zwei Mitarbeiterinnen beherrschen die richtige Stopftechnik. Erklären kann sie Roswitha Cvitkovic nicht: Nicht zu viel und nicht zu wenig Wolle darf es sein – sie hat es im Gefühl.
    Nur zwei Mitarbeiterinnen beherrschen die richtige Stopftechnik. Erklären kann sie Roswitha Cvitkovic nicht: Nicht zu viel und nicht zu wenig Wolle darf es sein – sie hat es im Gefühl.

    Mindelheim Das Nasenbohren kann nur ein Mensch übernehmen. Denn wenn aus Holzkugeln Köpfe für Hand- oder Fingerpuppen werden sollen, muss die Vertiefung für die Nase genau zur Maserung passen. Falls nicht, schaut die Puppe – egal wie sie später bemalt wird – irgendwie schief drein, erklärt Kersa-Geschäftsführer Günter Schubert.

    Die Mindelheimer Firma war eine der ersten auf der Spielwarenmesse in Nürnberg – und ist auch heuer wieder dort vertreten. Im Handspielpuppenbereich ist sie nach eigenen Angaben Marktführer. Jede verkaufte Puppe trägt das Etikett „100 Prozent deutsche Handarbeit“ – doch wie entsteht eine Kersa-Puppe überhaupt?

    Zunächst stellt sich die Frage: Holzkopf oder Stoffkopf? Bei Ersterem wird erst gefräst, dann eine Nase aufgeklebt, bevor es zum Bemalen geht. Die anderen Köpfe werden mit einer Vorlage – ähnlich wie beim Plätzchenbacken – aus dem Stoff gestanzt oder geschnitten und zusammengenäht.

    Es folgt das Stopfen. Eine schwierige Aufgabe, die bei Kersa nur zwei Mitarbeiterinnen beherrschen. Prall muss der Kopf sein, aber nicht zu sehr, sonst platzt er beim anschließenden Besticken. Und ist er zu wenig mit der Polyesterwatte ausgestopft, ist es auch nicht gut.

    Anschließend bekommen die Figuren ihr Gesicht. Der Mund wird aufgemalt, rote Backen werden aufgesprüht, Augen aufgenäht. Die Haare des Kasperls bestehen übrigens aus demselben Material wie Lampenschirmborte.

    Weil die Puppen ein Kinderspielzeug sind, gelten strenge Regeln. Stoffe, Kleber und Farben dürfen nicht schädlich sein und auch das Material muss einiges aushalten: Die Augen sind beispielsweise mit einem starken Faden angenäht, sodass man daran fünf Minuten ein Gewicht von zehn Kilogramm hängen kann, ohne dass er reißt oder der Kopf der Puppe kaputt geht.

    Zum Schluss werden der Kopf und die restlichen Teile der Puppe zusammengefügt – und fertig ist der Kasperl!

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