Bad Wörishofen Der Neubau eines Verkehrsübungsplatzes steht plötzlich auf wackligen Beinen. Nachdem der städtische Bauausschuss bereits eine Empfehlung für einen Standort im Park beim alten Hallenbad ausgesprochen hatte, tritt Bürgermeister Josef Fischer (CSU) jetzt auf die Bremse.
Zwischenzeitlich hat die Stadt nämlich die Gemeinden Türkheim, Amberg, Ettringen, Wiedergeltingen, Tussenhausen und Markt Wald kontaktiert und gebeten, sich an den Kosten für den Neubau zu beteiligen. Die Schulen der genannten Gemeinden nutzen den derzeitigen Verkehrsübungsplatz auf dem Gelände der Grund- und Mittelschule Bad Wörishofen. Die Resonanz auf Fischers Bitte war allerdings ernüchternd.
„Ich gehe nach den derzeitigen Rückmeldungen davon aus, dass hier keine große Kostenbeteiligung dieser Gemeinden stattfinden wird“, teilte Fischer mit. Allerdings sieht der amtierende Bürgermeister die anderen Gemeinden durchaus in der Pflicht. „Es kann nicht sein, dass die Stadt Bad Wörishofen hier alternativ unter anderem ein anderes Grundstück zur Verfügung stellt und den Neubau zusätzlich alleine bewältigen muss“, findet Fischer.
Stadtkämmerin Beate Ullrich nimmt die Reaktion der Nachbarn zum Anlass, gleich das ganze Projekt in Frage zu stellen. „Angesichts dieser Entwicklung sollte die Stadt auch überlegen, inwiefern der Verkehrsgarten überhaupt in Bad Wörishofen gebaut werden muss, sollten die Planungen auf dem Schulgelände im Rahmen des Turnhallenneubaus nicht zum tragen kommen“, sagt Ullrich. Schließlich könne so ein Verkehrsgarten auch in den anderen Gemeinden realisiert werden.
Sie sei zudem „erstaunt“ über die Empfehlung des Bauausschusses, den Verkehrsgarten künftig auf dem Gelände neben dem Hallenbadareal zu platzieren. „In den Planungen für die Außenanlagen ist bereits die durch den Neubau der Dreifachturnhalle bedingte Verlegung des Verkehrsgartens enthalten“, sagt Ullrich. Sie ist zugleich die Geschäftsführerin der gemeinnützigen Bad Wörishofener Sportstätten GmbH, welche die Halle bauen soll. „Die Fläche wird dann zwar kleiner, ist aber meiner Ansicht nach durchaus ausreichend für die Verkehrserziehung“, findet Ullrich. „Zudem müsste nach diesen Planungen auch keine zusätzliche WC-Anlage gebaut werden“.
Der Bauausschuss hatte sich aus drei möglichen Standorten für den Park am Hallenbad entschieden, weil er von den Schülern fußläufig gut zu erreichen ist. Polizei, Elternbeiräte und die Kreisverkehrswacht sind dafür und unterstützten den Vorschlag zuletzt öffentlich. Allerdings hatte es zuletzt vermehrt Kritik von Bürgern gegeben, die eine teilweise Abholzung des kleinen Parks befürchten. Bekanntlich fielen schon auf dem benachbarten Areal des Hallenbads fast alle Bäume (wir berichteten) für einen Hotelneubau. Manchen ist das alles zu viel. Selbst die Gründung einer Bürgerinitiative steht nun im Raum. Über 70 Personen seien zur ersten Infoveranstaltung gekommen, teilte Sabine Kaiser gestern mit. Diese Resonanz habe sogar die Organisatoren überrascht, sagt Kaiser. Nun plane man eine Demonstration im kleinen Park am Hallenbad.
Um den Park zu schonen, schlagen die Grünen nun in einer Presseerklärung vor, den Verkehrsübungsplatz in die Eissporthalle Bad Wörishofens zu verlegen. Die Halle sei von Frühjahr bis zum Herbst ohnehin nur spärlich ausgelastet. Die nötigen Anlagen könnten ohne großen Aufwand auf- und wieder abgebaut werden, die restliche Infrastruktur sei bereits vorhanden. Die Übungen müssten auf diese Weise bei schlechtem Wetter auch nicht mehr abgesagt werden, teilen die Grünen mit.
Bürgermeister Fischer betont wiederholt, dass in Sachen Verkehrsübungsplatz noch keine Entscheidung gefallen sei. Das letzte Wort hat bekanntlich der Stadtrat. Die Gründung einer Bürgerinitiative sei aus seiner Sicht deshalb nicht notwendig.