Mindelheim Schwarze Seide und weißer Pelz, feinste Spitze, glitzernde Pailletten, meterlange Tüllschleppen und zarte Myrtenkränzchen, elegante Seidenschuhe, Stickereien aus Silberfäden – für die Schönheit der Braut am Tag der Hochzeit wurde schon immer geklotzt, nicht gekleckert.
Mode ist Ausdruck ihrer Zeit und ein Stück Kulturgeschichte. Selten wird das so augenfällig wie in der neuen Ausstellung des Mindelheimer Textilmuseums, die am heutigen Abend um 19 Uhr ihre Pforten öffnet: „Der schönste Tag im Leben – Brautmode von 1800 bis heute“.
Der Bräutigam kommt dabei nicht vor, höchstens auf den vielen historischen Fotos, die Mindelheimer Privatleute dem Museum zur Verfügung gestellt haben.
Rührend, nostalgisch, großartig wirken die Momentaufnahmen dieser Paare, von denen viele ernst, fast bang in die Kamera schauen. Man fragt sich, wie ihre Ehen wohl verlaufen sind, mit welchen Problemen und Freuden sie konfrontiert waren.
Leihgaben sind auch die Hälfte der gezeigten Kleider, der Rest kommt aus den Beständen des Museums. Der Gang durch die Ausstellungshalle führt von der Gegenwart zurück ins 19. Jahrhundert. Da prangt das mit Pelz und Posamenten (textilen Verzierungen) besetzte, imposante Gewand mit der sechs Meter langen Schleppe, das Tatjana Fugger 1986 bei ihrer Hochzeit trug. Nicht selten war für die Brautkleider der 80er auch das pompöse Hochzeitskleid von Lady Diana Vorbild.
In den 70ern heiratete man – wenn überhaupt – nicht unbedingt im weißen Kleid, aber falls doch, war es eher verspielt oder schlicht und konnte auch im Alltag noch getragen werden. Eines der Exponate wirkt fast wie ein braves Kommunionkleid.
Weiter gehend, gelangt der Besucher in die 60er – schmale, sachliche, oft kurze Kleider – und die 50er, wo der Petticoat en vogue war und die Bräute nach der kargen Kriegszeit wieder in üppiger Stofffülle schwelgten.
Schleier und Kranz waren zu allen Zeiten obligat. Die Bräute der 20er Jahre wirken mit ihren über die Stirn gezogenen Schleiern, die wie Duschhauben aussehen, heute komisch.
Gelangt man ins 19. Jahrhundert, stößt man auf immer mehr schwarze Hochzeitskleider. Besonders auf dem Land trugen die Frauen ihr Kleid nach dem Heirat weiter als „Sonntagsstaat“, und der musste schwarz sein. Zwei Festkleider waren nicht finanzierbar. Weiß war nur der Schleier als Zeichen der Jungfräulichkeit, damals noch das Thema. Die Zeiten ändern sich, die Mode drückt es aus.
Festmahl mit Taubenpasteten und Pfauenbraten
Am Ende des Weges gelangt der Besucher zu den Hängekleidchen im Empirestil mit der hohen Taille, einer Mode, die die Frauen vom Korsett befreite. Dort trifft man auch auf die Porträts eines Paares, das sich 1590 das Jawort gab: die erst 15-jährige Katharina Fugger und Ladislaus Freiherr von Toerring zu Stein.
Sie bezahlte damals sein Hochzeitsgewand, das allein 1500 Gulden kostete; er revanchierte sich mit wertvollem Schmuck. Auch für die Hochzeitsfeier war nichts zu gut und zu teuer, sie kostete 44 500 Gulden. Die Speisenfolge war schier endlos, sie reichte von Taubenpasteten und gesottenen Fischen über Austern, Auerhahn und Pfau bis zu Mandelsulz und Torten. Wie gesagt: Die Zeiten ändern sich.
Vernissage Am heutigen Donnerstag um 19 Uhr wird die Ausstellung eröffnet. Sie dauert bis 2. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.