Anhofen Erst habe sie sich ein wenig geziert, meint Schwiegersohn Dieter Preisinger, dann aber doch Gefallen an einer gebührenden Feier ihres Geburtstages gefunden. Es war immerhin der Neunzigste, zu dem nach dem Besuch der Verwandtschaft auch Bürgermeister Walter Wörle Theresia Geiger in Anhofen gratulierte und ihr eine Urkunde und ein Geschenk überreichte.
Auf ein bewegtes Leben blickt das nach wie vor vielseitig interessierte Geburtsagskind zurück; dazu gehört auch die Lektüre der Mindelheimer Zeitung. Ihre Eltern übersiedelten in den 1920er Jahren von Niederbayern nach Ettringen, wo der Vater im Straßenbau arbeitete. Das Einkommen der neunköpfigen Familie war bescheiden und man wohnte auf engem Raum.
Theresia Geiger heiratete früh, und zog mit ihrem Mann Anton Hechenberger nach München: „Leopoldstraße 15 war unsere Adresse“, das weiß sie noch ganz genau. Doch das Glück in Schwabing währte nur kurz, denn ihr Mann musste in den Krieg und galt schon nach kurzer Zeit als vermisst. So entschied sie sich zur Rückkehr nach Ettringen mit dem inzwischen geborenen kleinen Sohn.
Jahre später lernte sie Max Geiger, ihren zweiten Ehemann kennen. Er bewirtschaftete seinen kleinen Hof in Anhofen und war außerdem als Fahrer für eine Molkerei im Einsatz. „Am Anfang habe ich geweint, als ich morgens auf die Weide musste“, erinnert sie sich. Vor den acht großen Kühen hatte sie Respekt; der Umgang mit Vieh war nie so recht ihre Sache. „Mein Vater war ein Mann des technischen Fortschritts“, sagt Tochter Renate schmunzelnd, „er war der Erste im Ort, der einen Traktor hatte.“
Jahrelang stellte sie die Post in und um Markt Wald zu
Dennoch gaben die Geigers 1970 die kleine Landwirtschaft auf und bauten ein Haus in Markt Wald. In der hier untergebrachten Poststelle versah Max Geiger von nun an seinen Dienst, während Theresia Geiger die Post in den umliegenden Gemeinden zustellte. Tochter Renate und ihr Mann Dieter übernahmen den freistehenden Hof in Anhofen und renovierten ihn. Nach dem Tod Max Geigers 2007 nahmen sie Theresia zu sich.
Zu Theresia Geigers rundem Geburtstag hatte sich die gesamte Verwandtschaft in Anhofen eingefunden: darunter die vier Kinder, sieben Enkel und vier Urenkel. (stn)