Mindelheim Am liebsten hätte man mitgesungen bei Kristin Asbjørnsens „Halleluja“, das sie gegen Ende ihres Konzerts voll fröhlicher Intensität in den Saal schmetterte. Ihre Musik versetzte das Publikum in ein wunderbares Wohlgefühl, ließ es buchstäblich baden in Schönheit. Vor ausverkauftem Haus beglückten die norwegische Sängerin und ihre Band die „Jazz isch“-Gemeinde mit einem würdigen Auftakt-Konzert.
„Das ist doch kein Jazz“, meinte ein Besucher beim Verlassen des Stadttheaters kritisch. Er scheint zu den ganz Wenigen zu gehören, die wissen, was Jazz ist. Das Spannende daran ist ja grade, dass diese Musik endlos viele Facetten hat und sich permanent entwickelt. Jazz heißt vor allem auch: Improvisation über ein Thema. Das fand hier statt, und zwar in einer eigenen, unverwechselbaren Handschrift. Asbjørnsen nimmt das afro-amerikanische Spiritual – die Wurzel des Jazz –, topft sie um und lässt aus ihr ein ganz zartes, feines Pflänzchen wachsen.
Sie zeigt, was aus diesen Wurzeln auch blühen kann. Sie nimmt den Balladen die Schwere, macht sie durch die luziden, flirrenden Arrangements und die feingliedrigen, oft nur wie hingetupften Harmonien zu etwas Neuem. Zu einer Musik, die in Bewegung ist, und die bewegt.
Sie zeigt Respekt vor den tief empfundenen Inhalten und spirituellen Texten, die eine Botschaft transportieren: die Botschaft vom Licht in der Dunkelheit, von der Hoffnung auf Erlösung, etwa in Titeln wie „Trying to get home“, „I’m on my way“ oder „Don’t hide your face from me“.
Ihre farbenreiche Stimme setzt Kristin Asbjørnsen mit brillanter Technik fein dosiert ein; sie akzentuiert punktgenau das Raue, Kratzige oder das Klare, Glockenhelle, das leise Gehauchte oder das entfesselte, kraftvolle Fortissimo.
Begleitet wurde sie in Mindelheim von großartigen Musikern, die sich mit ihrer empfindsamen Spielweise ganz in den Dienst der Arrangements stellten: Jostein Ansnes und Olav Torget (Gitarre), Gjermund Silset (Bass) und Knut Aalefjaer (Percussion). Unvergesslich etwa das Solo des Bassisten, das den Song „Let it flow“ einleitete.
Asbjørnsen, am Trondheimer Konservatorium zur Jazz-Sängerin ausgebildet, war im Lauf ihrer 15-jährigen Karriere Mitglied mehrerer Rockbands.
In einem Interview sagt Kristin Asbjørnsen über ihre Arbeit: „Seit diese Songs in mir heranwuchsen, haben sie eine lange Reise hinter sich gebracht. An dieser Musik zu arbeiten, war sowohl beunruhigend als auch eine Herausforderung. Wenn alles auseinanderfällt und es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt, erleben wir es manchmal, dass ein Hoffnungsschimmer die Dunkelheit durchbricht und Konturen eines neuen Blickwinkels erzeugt ... Die Songs zeugen von starker Hoffnung und dem Glauben daran, dass auch etwas Zerbrochenes noch in Schönheit verwandelt werden kann.“
Programm Das heutige Konzert mit der Band „Soul Kitchen“ in der Dampfsäg ist ausverkauft. Für den Abschlussabend in der Dampfsäg am morgigen Sonntag mit der Nils Wülker Group gibt es noch Restkarten.
Bei uns im Internet
Eine Bildergalerie mit Fotos vom „Jazz isch“-Auftakt finden Sie bei uns im Netz unter
www.mindelheimer-zeitung.de