Gemeinden haben das Gutachten nachrechnen lassen und warten auf Ergebnisse.

Das Ende der Debatte um die Staudenbahn hatte Landrat Martin Sailer bereits im Sommer angekündigt. Eine verbindliche Antwort auf die Gretchenfrage, wie es denn die beteiligten Gemeinden selbst mit der Reaktivierung der Staudenbahn und den damit verbundenen Kosten halten, wollte er deshalb Ende dieses Monats haben, doch er wird sich noch ein wenig gedulden müssen.
Denn im vorliegenden Gutachten sind Investitionskosten von bis zu 18 Millionen Euro im Gespräch. Diese Kosten haben die Mitgliedsgemeinden im Staudenbahn-Schienenweg-Trägerverein jedoch infrage gestellt und von zwei Fachfirmen überprüfen lassen. Zum einen geht es um die Ertüchtigung der Signaltechnik und die technischen Anlagen, zum anderen um den Überbau. Während von einer Firma die Antwort schon vorliegt, stehe die andere noch aus, so Hubert Teichmann, Geschäftsführer der BBG Stauden, der Betreibergesellschaft der Staudenbahn. Zunächst sollen die Ergebnisse dann mit den Gemeinderäten in Gessertshausen, Fischach und Langenneufnach besprochen werden. „Deshalb haben wir dem Landrat mitgeteilt, dass unsere Antwort noch länger auf sich warten lassen wird“, so Josef Böck, Vorsitzender des Trägervereins und Bürgermeister von Langenneufnach. Ohne konkrete Zahlen sei eine Entscheidung einfach nicht möglich.
Das Ergebnis dieser Neuberechnung hält Hubert Teichmann für letztlich gültig. Immerhin sei die BBG bis zum Jahr 2050 der konzessionierte Betreiber des Staudenbahn-Schienenwegs und somit auch für den Betrieb gegenüber den Aufsichtsbehörden verantwortlich, auch in Bezug auf einen sicheren Verkehr.
Der Gessertshauser Gemeinderat hat vor einigen Tagen seine Entscheidung vertagt. „Wir kennen die endgültigen Zahlen noch nicht“, so Claudia Schuster nach der Sitzung. Erst wenn bekannt sei, wie hoch die Investitionssumme ist, dann wolle der Gemeinderat entscheiden. Eine grundsätzliche Antwort will Bürgermeister Peter Ziegelmeier aus Fischach geben, aber erst, wenn alle Unterlagen vorliegen. „Ohne Kenntnisse über die Kosten zu haben, kann ich keine Entscheidung treffen. Wir sprechen hier über ungelegte Eier“, so Josef Böck. Außerdem seien noch viele Fragen offen. „Was muss wirklich alles neu gemacht werden auf der Strecke, was kosten Gleisbau, Signalanlagen und Schranken? Zahlen wir drauf? Und wenn ja, wie schließen wir die Finanzierungslücke? Gibt es Zuschüsse, zum Beispiel vom Landkreis oder vom Freistaat?“, listet er auf. „Aber prinzipiell stehen wir zur Staudenbahn.“
Angeschrieben hat der Landrat auch jene Gemeinden, in denen sich der Busverkehr ändern würde. Der soll dann zu den Bahnhöfen der Staudenbahn führen und nicht mehr wie jetzt direkt nach Augsburg. Sven Janzen, Bürgermeister in Walkertshofen sagt deshalb: „Wir befürworten das Projekt Staudenbahn grundsätzlich schon, denn das würde die Infrastruktur in der Region weit voranbringen. Besonders der öffentliche Personennahverkehr ist entscheidend für die Lebensqualität in den Stauden. Dem Projekt muss aber natürlich eine sinnvolle und wirtschaftliche Finanzierung zugrunde liegen. Und solange keine Zahlen auf dem Tisch liegen, solange können wir auch keine verbindliche Stellungnahme abgeben.“
Anders sieht das sein Kollege Robert Wippel aus Scherstetten: „Für Scherstetten ist die Staudenbahn kein Thema, wir orientieren uns eher nach Schwabmünchen. Dort gibt es einen Bahnhof mit guten Parkmöglichkeiten.
Der Pendlerverkehr von Scherstetten mit der Staudenbahn nach Augsburg würde sich wohl hier nicht etablieren.“ Einen Bedarf sehe er in seiner Gemeinde nicht.
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