Oberrieden Für zwei junge Menschen hatte der kleine Ort Mittelrieden 1947 große Bedeutung. Emanuel Menzel aus Grunau in Oberschlesien wurde nach dem Krieg mit seinen Eltern hierher vertrieben.
Der gelernte Metzger nahm bei einem Bauern eine Stelle als Knecht an. Kreszentia Rödle aus Oberrieden war damals als Magd bei einer Familie im Dienst. Das Glück wollte es, dass die Arbeitsstelle der jungen Frau zwischen Emanuels Arbeitsstelle und der Wohnung seiner Eltern lag und so sahen sie sich mehrmals täglich. Der junge Mann fand Gefallen an ihr. Ohne Umwege kam er regelmäßig mit den Worten auf sie zu: „Und dich heirate ich einmal!“
Die so Umworbene blockte anfangs noch ab. „Ich lass mich von dir doch nicht zum Narren halten“, war ihre Antwort. Es dauerte zwar noch etwas, aber was füreinander bestimmt ist, findet zusammen.
Ein Zimmer im Elternhaus war ihr erstes Zuhause
Am 26. November 1951 läuteten dann die Hochzeitglocken, und der Oberriedener Pfarrer Singheiser traute das Paar.
Ihr erstes Zuhause war ein Zimmer im Hof der Brauteltern. An ein eigenes festes Zuhause war noch nicht zu denken.
Die erste Arbeitsstelle im erlernten Beruf konnte Emanuel 1949 bei der Metzgerei Schießl in Bad Wörishofen antreten. Danach folgten verschiedene Anstellungen in der näheren Umgebung. Die letzten 20 Jahre bis zu seinem wohlverdienten Ruhestand im Jahr 1983 war er als Küchenmetzger im Sebastianeum in Bad Wörishofen beschäftigt.
All die Jahre war Emanuel Menzel auch als Hausmetzger sehr gefragt. Das finanzielle Zubrot war sehr willkommen, denn mittlerweile war die Familie um vier Kinder gewachsen. Das Eigenkapital hielt sich in Grenzen. Daher kam ihnen das Angebot der Bundesrepublik über einen Zuschuss von 16000 Mark für den Neubau eines Eigenheimes gerade recht. Baubeginn war am 1. August 1964. Beim Einzug am 15. November des gleichen Jahres war im Bad noch keine Fliese, die Wände waren ohne Farbe und Tapete da und im Wohnzimmer musste man über den rohen Fußboden laufen. Und trotzdem hat die Familie es genossen: „Das Schönste am Einzug war, dass das Betteln um eine Mietwohnung ein Ende hatte. Sobald wir bei einer Anfrage auf die Anzahl der Kinder angesprochen wurden, war das Gespräch oft schnell beendet“, erinnert sich Kreszentia Menzel, die sich nun zur diamantenen Hochzeit auf den Besuch ihrer vier Kinder mit elf Enkeln und sieben Urenkeln freuen kann.
„Das Schönste war, wenn abends alles gepasst hat“
Zurückblickend auf 60 Jahre Ehe sind sich beide einig: „Das Schönste all die Jahre war, wenn abends alles gepasst hat.“ (amr)