Wiedergeltingen Für Bürgermeister Michael Schulz war es ein Jubiläum. Zum zehnten Mal konnte er eine Bürgerversammlung eröffnen. Und dieses Mal konnte er sich gleich mehrfach freuen. Denn der Besuch in der Mehrzweckhalle der Grundschule war durchaus rege, eine Klage vorzubringen hatten die Bürger aber eigentlich nicht.
Kämmerer Claus-Dieter Hiemer stellte die Finanzlage der Gemeinde dar. Das Haushaltsvolumen beträgt heuer demnach 2,7 Millionen Euro. Laut Hiemer liegt die Einkommensteuerbeteiligung mit rund 520 000 Euro dieses Jahr auf gleichem Niveau wie im Dezember 2010.
Kämmerer: Haushalt der Gemeinde ist geordnet
Die Gemeinde muss keine Kredite aufnehmen. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in Wiedergeltingen bei 148, im Landkreis bei 700 und in Deutschland bei mehr als 24000 Euro. Entgegen dem allgemeinen Trend sei der Ausblick für Wiedergeltingen noch gut. Es herrschten demnach „geordnete Verhältnisse“, so Hiemer. Die Eurokrise gebe jedoch auch keinen Grund zur Euphorie.
Seit 2001 liegt die Einwohnerzahl fast immer auf dem gleichen Niveau. Aktuell leben in Wiedergeltingen 1381 Menschen. Die Zahl der Geburten ging zurück. 2009 waren es noch 14 Kinder, 2010 und 2011 jedoch nur noch jeweils sechs. Im Schulverband Wiedergeltingen und Amberg gehen insgesamt 119 Kinder zur Schule, 53 in Amberg und 66 in Wiedergeltingen. Auch hier gehen die Zahlen in den kommenden Jahren weiter zurück. Erst ab 2015 werde sich das wieder ändern, so Hiemer.
Um die wichtigsten Fragen zu Wind- und Solarpark zu klären, war Martin Eberle vom Planungsbüro Wilhelm Daurer, Landschaftsarchitekten aus Wiedergeltingen, eingeladen worden. Eberle erläuterte die Überlegungen für die Standorte. Absprachen mit Jengen, Buchloe und Weicht für die Windenergie müssten noch getroffen werden. Eine informelle Anhörung zum Konzept sei für Mitte Februar 2012 geplant. Das Ziel sei es, bis zu diesem Termin Gebiete auszuweisen, auf denen tatsächlich Anlagen entstehen könnten. Eine Satzung soll im Frühjahr 2013 folgen.
Hier, so Michael Schulz, seien der Gemeinderat und die Bürger gefragt. Das Projekt würde in einer außerordentlichen Bürgerversammlung besprochen, schließlich koste es 15 Millionen Euro. Das sei ein Riesenbetrag für Wiedergeltingen. Die Finanzaufsicht achte jedoch darauf, dass sich die Kommunen nicht übernähmen.
Am 21. Dezember erscheint eine neue „Gemeindezeitung“, die an die Haushalte in Wiedergeltingen kostenlos verteilt wird. An dieser Zeitung arbeiten zehn Personen. Um sie lebendig zu gestalten, sind die Bürger aufgerufen, mitzumachen und Artikel (etwa über Reiseerlebnisse) abzugeben. Je Verein gibt es einen Ansprechpartner.
Im Rahmen der Versammlung ehrte der Bürgermeister den Gemeindediener Anton Lutzenberger. Er erhielt eine Ehrenurkunde und 500 Euro für 50 Jahre treue Dienste. Am 1. Oktober 1961 sei er mündlich unter Vertrag genommen worden, erklärte Schulz, am 19. Oktober 1963 habe Lutzenberger einen schriftlichen Vertrag bekommen.
Anton Lutzenberger erhielt eine monatliche Vergütung von 50 D-Mark und einen Jahresurlaub von sieben Tagen, der jedoch nur vom Bürgermeister genehmigt werden konnte. Noch heute ist Anton Lutzenberger, inzwischen 77 Jahre alt, für die Gemeinde tätig. Er bedankte sich und sagte: „Ich freue mich auf jeden Dienstag und Donnerstag. Dann kann ich in mein geliebtes Rathaus gehen.“ Michael Schulz bescheinigte ihm: „Der Toni ist auf Lebenszeit bei der Gemeinde angestellt und macht das, was er noch kann.“
Die Qualität des Wassers musste nie beanstandet werden
Der Bürgermeister blickte auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres zurück und bestätigte, dass das Wasser monatlich überprüft werde und ohne jede Beanstandung sei. Die Vereine würden mit insgesamt 4500 Euro unterstützt und für ein interkommunales Gewerbegebiet an der A96 gehe es in die entscheidende Runde.
Wichtig für den Winter: Die Streukästen sind gefüllt. Die Bürger können sich kostenlos bedienen. Hubert Schneider, Ortsobmann vom Bayerischen Bauernverband, sprach sich in der anschließenden Befragung gegen den Solarpark aus. Den Landwirten würde eine Fläche von 500 Hektar entzogen. Sie bestünden auf einen Verzicht der Auswegsflächen zwischen der A96 und dem Bahndamm. Bürgermeister Michael Schulz versprach: „Wir sind alle gefordert – vom Staat, vom Land und den Kommunen – uns unsere Gedanken zu machen. Wir sind alle im Kneippland. Wir müssen etwas tun.“