Jahresbilanz der Polizei: Demnach macht den Beamten zwischen Lindau und Günzburg ein gesellschaftliches Phänomen zu schaffen: der Alkoholmissbrauch von Jüngeren. Von Johann Stoll

Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel ist einsamer Rufer in der Wüste. Immer mehr macht den Beamten zwischen Lindau und Günzburg ein gesellschaftliches Phänomen zu schaffen: Alkoholmissbrauch vor allem von Jüngeren.
Auf der Jahrespressekonferenz des Präsidiums Schwaben Süd/West am Freitag in Kempten sprach Memel von einem "frustrierenden Phänomen". Seit Jahren beobachten die Beamten einen stetigen Anstieg. Im Vorjahr war fast jeder zweite Tatverdächtige betrunken. Die Folge: Die Hemmschwelle sinkt, Aggressivität und Brutalität nehmen zu. Alkohol sei kriminalitätsfördernd.
Polizeivizepräsident Reinhard Kunkel nannte ein Beispiel aus Neu-Ulm. Der Fall hatte als harmlose Ruhestörung begonnen. Als die Beamten vor Ort waren, wurden sie von einem Mann attackiert. Er klemmte einem Uniformierten ein Bein in der Tür ein. Nur mit einer Ladung Pfefferspray ließ sich der Täter abbringen. Er hatte mehr als zwei Promille Alkohol im Blut.
Ähnlich der Fall aus dem Ostallgäu. Dort hat ein 20-Jähriger auf Beamte eingeschlagen und sie getreten. Der junge Mann hatte 2,2 Promille Alkohol im Blut. Erstmals übrigens waren laut Memel im Präsidiumsbereich auch zwei Kinder aufgefallen, die unter Alkoholeinfluss zu prügeln begonnen haben. 75 Täter im Alter von acht bis 20 Jahren machen besonderen Kummer. Ein 13-Jähriger hat bereits 14 Straftaten auf dem Kerbholz, ein 18-Jähriger hat es bereits auf 90 Straftaten gebracht.
Dass Handlungsbedarf besteht, um Polizeibeamte besser zu schützen, sieht offenbar auch die Politik. Der Polizeipräsident jedenfalls begrüßt einen Vorstoß, das Strafmaß von derzeit maximal zwei Jahren auf fünf Jahre Freiheitsentzug hochzusetzen.
Insgesamt wurden im Bereich des Präsidiums knapp 43 300 Straftaten registriert. Das sind 1,3 Prozent mehr als 2008. Im Unterallgäu waren es 4349 Fälle. Das sind vier Prozent mehr als 2008. Memmingen stellt einen Sonderfall dar, weil dort mehrere Rauschgiftdelikte geklärt werden konnten. Hier stieg die Fallzahl um 19 Prozent auf 3273. Bayernweit gingen die Zahlen um 2,5 Prozent zurück.
Unverändert hoch ist der Drogenkonsum. Im Vorjahr starben 22 Menschen an ihrer Sucht ebenso viele- ebensoviele wie 2008. Im Unterallgäu war ein Toter zu beklagen.
Generell betonte der Polizeipräsident die gute Sicherheitslage. Dies sei ein guter Standortfaktor des Allgäu. In Bayern lebt es sich sicher, im Allgäu eben noch sicherer. Dies sei großes Verdienst auch der Polizeiinspektionen. Lob gab es aber auch für die Medien. Die Polizei in Deutschland genieße dank der Arbeit der Journalisten größeres Vertrauen als in den Nachbarländern. Johann Stoll
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