Breitenbrunn/Bad Wörishofen Atmen, sagt Sabine Adelwarth, ist die normalste Sache der Welt. Man tut es einfach, ohne großartig darüber nachzudenken. Doch es gibt Menschen, für die ist Atmen keine normale Sache. Es sind Menschen, die an der am häufigsten vererbten Stoffwechselerkrankung leiden, an Mukoviszidose. Sabine Adelwarth ist eine dieser Betroffenen.
Jeden Tag muss die 29-Jährige inhalieren – in der Früh und am Abend. Das Schlimme daran: Ihr Zustand verspricht nicht besser zu werden, jedenfalls nicht auf Dauer. „Mir geht es kontinuierlich schlechter“, sagt sie. Der Schleim löst sich immer weniger gut. Und sie weiß, dass sie eine deutlich kürzere Lebenszeit vor sich hat als die meisten Menschen um sie herum.
Und doch ist es ihr viel besser ergangen, als Ärzte noch vor einem Vierteljahrhundert vorhergesagt haben. Die kleine Sabine musste hören, dass sie kaum älter als sieben Jahre alt werden wird. Der nahe Tod, der schon an die Haustür zu klopfen schien, gehörte zu ihrer frühen Kindheit. Heute werden Mukoviszidose-Patienten im Schnitt 35.
Sie war ein spindeldürres Mädchen. Appetitlosigkeit plagte sie. Sabine Adelwarth hat sich mit Vergehen und Sterben früh auseinandersetzen müssen. Sie ist deswegen aber kein trauriger Mensch geworden. Im Fasching ist sie engagiert, gerne geht sie unter Leute und berichtet für die Mindelheimer Zeitung aus dem Geschehen in Breitenbrunn und ihrer Heimatgemeinde Dirlewang.
Als Kind musste sie mehrmals täglich abgeklopft werden
In den 80er Jahren gab es kaum geeignete Medikamente, die versprachen, ihr Leiden zu lindern. „Meine Mutter musste mich täglich mehrmals abklopfen, um den zähen Schleim beweglicher zu machen“, erzählt Sabine Adelwarth. Nur so konnte sie den Schleim heraushusten. Behandelt wurde sie auch mit einem Ultraschallvernebler, der für feuchte Luft sorgen sollte.
Während andere schon bei einer kleinen Unpässlichkeit zum Jammern neigen, sagt Sabine Adelwarth: „Mir geht es gut!“. Sie genießt es, unter Leute zu gehen. Die Mukoviszidose-Gruppe Memmingen besucht sie immer wieder einmal. „Das ist toll, sich mit den Leuten zu unterhalten.“ Das tue ihr sehr gut. Sie ist immer wieder auch überrascht, wie viele Menschen in der Region doch dasselbe Schicksal teilen. Aus Pfaffenhausen kommen sie, aus Unterrieden, aus Zaisertshofen.
Tabletten gehören zu ihrem Alltag und kalorienreiche Ernährung. Täglich bekommt Sabine Adelwarth Krankengymnastik mit Atemtherapien. Und sie bewegt sich viel an der frischen Luft. Dabei helfern ihr ihre Hunde, eine deutsche Dogge, ein Dackel und ein Zwergpinscher.
Mukoviszidose ist eine Erbkrankheit. Ihre Schwester Karin ist 1970 gestorben – im Alter von fünf Monaten. Andere in ihrer Familie sind zwar gesund, aber Merkmalsträger. Sie können die Krankheit also vererben.
Dass diese Krankheit besser erforscht werden kann, dafür wollen sich Sabine Adelwarth und ihr Mann engagieren. Sie haben dazu eine „Sabine Adelwarth Stiftung“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, Gelder zu sammeln und damit die Erforschung dieser Krankheit zu fördern. Auch sollen Betroffene, die kein Vermögen haben, finanziell unterstützt werden. Am Sonntag, 20. November, findet dazu eine Benefizgala „Mukoviszidose“ im Kursaal Bad Wörishofen statt. Neben Informationen rund um Mukoviszidose steht ein Konzert der Sunnies aus Dirlewang auf dem Programm.
Zu sehen sein wird auch ein Filmbeitrag mit der Schauspielerin Manuela May über ihr Engagement gegen Mukoviszidose.
Benefizgala Mukoviszidose: Kursaal Bad Wörishofen, 19.30 Uhr, Konzert der „Sunnies“, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.