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31. März 2011 10:00 Uhr

Landwirtschaft

Wie Bauern gemeinsam ihre Zukunft meistern

Salgen bekommt Milchviehbetrieb für 548 Kühe. Drei Landwirte tun sich zusammen

Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen bekanntlich Mühe: Drei Landwirte aus dem Unterallgäu wollen bei Salgen einen Milchviehbetrieb für 548 Tiere bauen.
Foto: dpa

Salgen Unter dem Strukturwandel in der Landwirtschaft stellt sich Otto Normalverbraucher meist nur eines vor: Bauern geben ihre Betriebe auf. Strukturwandel kann aber auch genau das Gegenteil bedeuten. Zwischen Hausen und Salgen wollen heuer drei Landwirte ihre Kräfte bündeln. Seit 2008 arbeiten sie bereits eng zusammen, haben eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GBR) gegründet. Jetzt folgt der nächste Schritt, ein Stallneubau für 548 Milchkühe.

Knapp 200 Kühe besitzen die drei Landwirte Alfons und Siegfried Kienle aus Hausen sowie Erich Abröll aus Egelhofen. Gemolken werden die Tiere in einem 1983 gebauten Laufstall in Hausen, also auf der Hofstelle von Alfons Kerler. Der Stall ist in die Jahre gekommen. „Wir hätten einen sechsstelligen Betrag investieren müssen“, sagt der Mittvierziger Kerler, der 1991 den Betrieb übernommen hat.

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Der Gemeinderat Salgen hat seine Zustimmung bereits erteilt

So war die Idee einer großen Lösung entstanden. Zwischen Hausen und Salgen soll ein 140 mal 37 Meter langer Laufstall mit einer Traufhöhe von 4,9 Metern beziehungsweise Firsthöhe von 12 Metern entstehen. Der Gemeinderat Salgen hat seine Zustimmung bereits erteilt. Bürgermeister Hans Egger sagt, das Vorhaben genieße privilegiertes Bauen, weil es sich um ein landwirtschaftliches Unternehmen handelt. Bauherr sind die Eheleute Renate und Alfons Kerler, die das Projekt allein finanzieren.

Solche Großbetriebe seien der Zug der Zeit, meint der Bürgermeister, der selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Die Gemeinde habe hier keinen Einfluss.

Das Landratsamt prüft, ob durch das Vorhaben öffentliche Belange berührt sind. Baujurist Christian Baumann sagt, die Landwirte genießen eine sehr weitgehende Privilegierung. „Der Bauherr hat einen Anspruch, einen Milchviehbetrieb bauen zu dürfen.“ Das Vorhaben sei aber noch nicht abschließend bewertet. Die Kreisbehörde habe in Bezug auf die Landwirtschaft nur sehr begrenzte Möglichkeiten, eine Zersiedelung der Landschaft zu steuern.

Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Mindelheim, Dr. Ludwig Merk, sagt, das Vorhaben habe noch nicht die Größe erreicht, dass ein Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz notwendig ist. Das Amt prüft, ob durch das Bauprojekt die Düngeverordnung eingehalten ist. Das sei der Fall, so Merk. Die Landwirte verfügten über genügend Flächen. Ob die Bauern ausreichend Futter für die Tiere haben, prüft die Behörde nicht.

Äcker und Wiesen reichten für das Vorhaben, sagt Alfons Kerler. Ihm liegt aber auch das Wohl der Tiere am Herzen. Ihnen gehe es in einem neuen luftigen Stall besser. Den Vorteil hätten auch die Menschen. Die Melkzeit lasse sich von derzeit knapp acht Stunden am Tag halbieren, weil 50 Kühe gleichzeitig im Melkkarussell gemolken werden können. Die GBR will Personal einstellen.

Wie viel der dreifache Familienvater investiert, mochte er öffentlich nicht sagen. Ein Kraftakt ist es in jedem Fall. Von mehreren Millionen Euro ist die Rede. Das Vorhaben wird mit staatlichen Geldern gefördert. Das einzelbetriebliche Investitionsförderprogramm greife hier, sagt Merk.

Für den Landkreis sind 70 Vorhaben angemeldet. Gut 20 Millionen Euro liegen bereit – viel zu wenig, um allen Landwirten sofort unter die Arme greifen zu können. Deshalb müssten die Bauern ihre Vorhaben zwei bis drei Jahre vorfinanzieren, sagt der Leiter des Landwirtschaftsamtes.

In einem anderen Betrieb in Bad Grönenbach stehen 1200 Tiere

Gefördert werden 20 Prozent der Baukosten, nicht jedoch der Kauf der Rinder. Mehr als 250 000 Euro je Vorhaben wird nicht zugeschossen, sagt Merk. Zur Größe des Projekts sagt der Amtschef, im Landkreis gebe es bereits zwei Großbetriebe in Bad Grönenbach, von denen einer sogar 1200 Kühe einstehen hat. Ab 100 Kühen kämen Familienbetriebe an ihre Leistungsgrenzen. Sie müssten sich dann entscheiden, ob sie Fremdarbeiter einstellen. „Ich würde einer GBR, in der sich mehrere Betriebe zusammentun, in jedem Fall den Vorzug geben“, sagt Merk.

Im Vergleich zu anderen Regionen wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein sei der Betrieb in Salgen allenfalls ein mittelgroßer, sagt Merk. In der Gemeinde Salgen gibt es derzeit 49 Landwirte. Je 14 leben und arbeiten in Bronnen und Hausen. Salgen selbst hat 21 bäuerliche Betriebe.

In zehn Jahren, vermutet Bürgermeister Egger, gibt es in seiner Gemeinde womöglich nur noch einige wenige Großbetriebe. Viele Junge erlernten lieber einen anderen Beruf außerhalb der Landwirtschaft. Ein Fehler, wie Egger findet. Denn vielfach würden die Qualitäten zu wenig gesehen. „Ich kann fast jeden Mittag daheim sein und meine Arbeit selbstbestimmt einteilen“, so Egger.

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