Bad Wörishofen Nach dem Schnupfen ist vor dem Schnupfen. Behaupten zumindest die Leute, die den ganzen Winter über mit laufender, roter Nase herumrennen und ihre Bakterien großzügig in der Gegend verstreuen.
Aber Erkältungen sind kein unabwendbares Schicksal, findet Johanna Lutzenberger. Die Fachlehrerin an der Sebastian-Kneipp-Schule sagt: „Vorbeugen ist besser als Heilen, und das tut man am besten nicht erst im November, sondern das ganze Jahr über.“
Kleine Abhärtungsübungen stärken den Körper und das Immunsystem, erklärt sie, und lassen sich mühelos in den Alltag einbauen. So sollte man morgens vor dem Duschen den Körper mit einer Bürste aus Naturborsten trocken abbürsten und danach die heiße Dusche mit einer kalten abschließen: „Das schließt die Poren und macht unempfindlicher gegen Ansteckung.“
Außerdem zu empfehlen: Viel an die frische Luft, die Wohnung nicht überheizen und im Sommer regelmäßig Wasser treten. Im Winter ist Schneelaufen gesund, allerdings nicht bei Frost, nie länger als höchstens drei Minuten und nur mit warmen Füßen; danach wieder gut aufwärmen.
Viele praktikable Tipps hat auch Kräuterexperte Dr. Hans Horst Fröhlich. Er rät, in der kalten Jahreszeit die Raumluft feucht zu halten, indem man eine Wasserschale oder feuchte Tücher mit ätherischem Öl – Fichtennadel, Pfefferminze oder Eukalyptus – auf die Heizung stellt.
Wichtig ist auch regelmäßiges Lüften. Und: „Sauna härtet ab“, stellt Fröhlich fest. „Und eine Impfung schadet nicht, nimmt einer möglichen Erkältung auf jeden Fall die Spitze. Vorbeugen kann man auch durch die Einnahme von Echinacea.“
Auch wenn schon erste Anzeichen einer Erkältung zu spüren sind, gibt es laut Fröhlich durchaus noch Hausmittel, mit denen man ihr ein Schnippchen schlagen kann: „Hilfreich sind kalte Gesichtsgüsse, ein ansteigendes Fußbad (zehn bis 15 Minuten bei 33 bis 39 Grad) oder Schwitzen; das gelingt mit einer Mischung aus Lindenblüten- und Holundertee.“
Wasserfrau und Kräutermann sind sich einig, dass Kopf- oder Oberkörperdämpfe hilfreich sein können. Dazu mischt man heißes Wasser mit einigen Tropfen ätherischen Öls und inhaliert die Mischung mit einer Decke über dem Kopf (und gegebenenfalls auch über dem nackten Oberkörper).
Auch Bäder mit Thymianöl oder einem anderen ätherischen Öl und anschließende Bettruhe tun gut. Gurgeln mit Salbei beugt Halsweh vor, Nasendusche mit Wasser oder Emser Salz ist ebenfalls eine gute Vorbeugung.
Falls das alles nichts nützt, weil die Erkältung sich schon eingenistet hat und sich nicht mehr vertreiben lässt, rät der Experte:
Hustentee, etwa zusammengesetzt aus Thymian, Schlüsselblume, Spitzwegerich, Eibischwurzel, Malve, Fenchel, Anis. Grundsätzlich: viel trinken, Obst essen. Auch heißer Holundersaft hilft. Ebenso Salbeitee abwechselnd mit Zitronensaft.
Heiße Bäder mit ätherischen Ölen. Wichtig: immer mit Wärme beginnen, mit Kälte abschließen.
Bei Fieber Wadenwickel (über 39 Grad ist der Arzt zuständig).
Johanna Lutzenberger empfiehlt feuchte, warme Brustwickel, mit Thymianöl getränkt, und Quark-Halswickel.
Befragt, welche Hersteller von Tees im großen und unübersichtlichen Angebot zu wählen seien, sagt Fröhlich: „Mann muss unterscheiden zwischen Lebensmittel- und Arznei-Tees. Für letztere gelten andere Anforderungen, sie sind deutlich wirksamer. Abzuraten ist von zuckerhaltigen Granulaten.“
Wer sich jetzt trotz allem immer noch nicht zu helfen weiß, kann sich immerhin mit Georg Christoph Lichtenberg trösten. Der hat einmal gesagt: „Das Gefühl von Gesundheit erwirbt man sich nur durch Krankheit.“