Dorschhausen Drogensuchhunde kennt man, Rettungshunde, die nach Verschütteten suchen, ebenso. Doch haben Sie schon einmal etwas von einem Schimmelsuchhund gehört? Nein, wir waren mit der ersten Schimmelsuchhündin in Schwaben, Sally, und ihrem Herrchen und „Arbeitgeber“, Johannes May, bei einem Arbeitseinsatz dabei.
Christine R. in Kaufbeuren hat einen Verdacht. An einigen Stellen in ihrer Mietswohnung werden die Außenwände nass und sie vermutet einen versteckten Schimmelpilzbefall. Da sie chronisch erkrankt ist, wären Pilzsporen für sie zusätzlich sehr belastend. Lufttechnische Messungen hat sie noch nicht durchführen lassen, denn dann wüsste sie zwar, dass ein Schimmelbefall in der Wohnung wäre, doch immer noch nicht wo. „So habe ich mich für den Besuch eines Schimmelsuchhundes entschieden,“ erklärt sie. Der zeige direkt an, wo sich Schimmel gebildet hat, finde diesen auch unter dem Bodenbelag oder hinter Leisten. Dass Wohnungen von Schimmel befallen sind, ist keine Seltenheit, jeder zehnte Haushalt ist laut einer Untersuchung der Raumklimatologie der Uniklinik Jena betroffen. Wer regelmäßig unter Schnupfen, Bronchitis, geröteten Augenschleimhäuten, Müdigkeit oder Kopfschmerz leidet, sollte sein Heim auf Schimmelbefall untersuchen lassen.
Sally, eine 1,5 Jahre alte Malinoi-Hündin, begrüßt alle stürmisch, ihr Herrchen, Architekt und Baubiologe Johannes May hält sie fest am Zügel. Sie gehorcht aber aufs Wort, nimmt mitten im Wohnzimmer artig Platz, die über einjährige Ausbildung zahlt sich aus. Die belgische Schäferhundzüchtung wird im Volksmund auch gerne „Fuchs“ genannt, da sie sich durch ein schlankes Erscheinungsbild auszeichnet und äußerst wachsam erscheint. Ursprünglich als Hüte- und Treibhunde gezüchtet, haben Malinois sich schnell als Dienst- und Sporthunde etabliert. Sally verfügt über einen ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb. Dadurch ist sie für den Einsatz als Schimmelspürhund besonders geeignet. „Sally ist sehr gelehrig und reaktionsschnell“, führt Johannes May aus. Seit zwei Monaten sei sie nun bei ihm zu Hause und Frau und Tochter hätten sie auch sofort ins Herz geschlossen. Die bernsteinfarbigen Augen blicken sich interessiert in der Wohnung um.
Täglich werde rund eine Stunde weiter geübt, erzählt May, schließlich soll Sally ja nichts verlernen. Bei seiner Fortbildung zum Baubiologen ist Johannes May immer mehr auf das Thema Schimmelbildung aufmerksam geworden und dort hat er auch erstmals von Schimmelsuchhunden gehört. In über 400 Ausbildungstagen ist Sally auf seine Einsätze vorbereitet in etwa analog der Drogen- und Sprengstoffhunde. Zudem trainiere er dann noch einige Tage mit seinem künftigen Herrchen/Frauchen. „Die Ausbildungsarbeit war äußerst interessant, Sally reagiert auf Ton und Zeichen. Die Schimmelsuche ist eigentlich für sie ein Spiel,“ so May und gleich folgt die Demonstration. Sally bekommt kleine Walkers (Hundeschühchen) an, schließlich soll in der Wohnung ja nichts zerkratzt werden. Findet sie nämlich unter dem Bodenbelag oder in Schränken einen Schimmelbefall, zeigt sie diesen durch starkes Kratzen an. Wenn ihr Herrchen dann mit einem Ball spielt, beginnt ihr Arbeitseinsatz und Sally schaltet sofort um und ist äußerst konzentriert. Johannes May deutet einen Ballwurf an und Sally beginnt zu suchen. Sie schnüffelt alle Wände ab, bleibt an einigen Ecken kurz stehen, wiederholt ihre Arbeit auch öfters. Herrchen May beobachtet seine Hündin sehr genau. Gerade an gewissen Kältebrücken, wie zum Beispiel Balkontüren, lässt er die Hündin immer wieder schnüffeln, doch es scheint kein Schimmelbefall gegeben zu sein. Nach wenigen Minuten ist das Wohnzimmer „durchsucht“. Sally bekommt ihr Erfolgserlebnis, darf ihren Ball finden. Gleich einer Trophäe trägt sie ihn umher, gibt ihn so schnell nicht mehr her. In einem anderen Zimmer beginnt ihr Spiel/Arbeit von vorne. Gesundheitsschädlich für den Hund selbst sei die Schimmelpilzsuche übrigens laut Johannes May nicht, zu kurz sei das Tier den Sporen ausgesetzt. Als alle Zimmer durchschnüffelt sind, ist die Mieterin erleichtert – ihre Wohnung ist schimmelfrei.
Darauf kann sie sich auch hundertprozentig verlassen, selbst kleine Stellen hätte Sally gefunden. Johannes May versteckt eine Schimmelprobe und schon nach wenigen Augenblicken hat Sally sie entdeckt. „Das war jetzt aber spannend und äußerst interessant“, so Christine R.
Weitere Infos unter www.schimmelhund-bayern.de