Von Oliver Helmstädter
Ulm Es war der 19. März 1994, als sich Die Happy das erste Mal in Wippingen vor einer Handvoll Zuschauern auf die Bühne wagten. So steht es auf dem Jubiläums-T-Shirt, das am Samstag bei Konzert Nummer 1000 und der öffentlichen Generalprobe am Vorabend für zehn Euro zur Uniform der Fangemeinde wurde. Die 1000 Tickets für das 1000. Konzert waren nach wenigen Tagen ausverkauft, wer bei dem Spektakel dabei sein durfte, wusste schnell warum: Mehr Die Happy gab es wohl nie an einem Abend – als filigrane Musiker akustisch mit leisen Tönen, klassisch unter Strom als beinharte Rockband und als Zugabe immer wieder eingestreut mit prominenten Gastmusikern.
Die Band um Gitarrist Thorsten Mewes und Frontfrau Marta Jandova zeigte eine Bandbreite von zart bis hart. Und ging auch körperlich an ihre Leistungsgrenze: Pünktlich um 20.15 Uhr begann das Konzert und erst um 0.15 Uhr war Schluss. Vier Stunden Die Happy, nur unterbrochen von einer 30-minütigen Umbaupause.
„Heute singe ich, bis die Stimmbänder bluten“, sagte Marta und meinte es wörtlich. Dort, im Ulmer Roxy, wo ihr Weg auf die großen Konzertbühnen begann, und nirgendwo anders wollten sie ihr Jubiläum feiern. Ein Jubiläum, das auch andere Musiker staunen lässt: „Wir haben längst keine 1000 Gigs gespielt. Sagenhaft“, sagte Dennis Poschwatta, der Schlagzeuger der Guano Apes.
Vor 1000 Fans, Freunden, vor ihren Müttern, Vätern und Brüdern ein emotionaler Abend für die in Ulm verwurzelte Band. Marta gibt an diesem Abend nicht nur das Stimmwunder in der knallengen schwarzen Corsage, sondern plaudert mal fröhlich, mal sichtlich gerührt über die Anfänge der Band und die Entstehungsgeschichte der Songs.
Umjubeltes Duett zweier Rockröhren-Generationen
Wenn Marta mit Johannes Strate von Revolverheld die Ballade „Halt Dich an mir fest“ singt, um dann nur wenig später Rockknaller wie „Supersonic Speed“ auszupacken, wird klar, wie viele Talente in Die Happy stecken. Ein Treffen zweier Rockröhren-Generationen war das umjubelte Duett mit Doro Pesch, der wasserstoff-blondierten Metall-Queen in Leder-Klamotten. „Open your mind“ – den Geist öffnen – so lautete nicht nur der Liedtitel, sondern gleichfalls das Motto des Abends, an dem die verschiedensten Musikrichtungen verschmolzen. Nicht nur für die Augen ein Schmaus: „Cry for more“ mit Jennifer Rostock im Duett.
Als kongeniales Treffen zweier musikalischer Weltanschauungen glänzte „Rebel in you“ mit Roger Manglus von der Hip-Hop-Band Blumentopf. Unter dem Motto Die Happy triff Folk sorgte der Auftritt von Eric Fish von Subway to Sally, der seinen schottischen Dudelsack mitbrachte, für Atmosphäre.
Für Die Happy meets Singer-Songwriter stand der Auftritt von Andreas Bourani. Und dann der Höhepunkt: ein Gipfeltreffen auf Augenhöhe, zwei Bands, die in Deutschland in einer eigenen Liga spielen: Guano Apes, jene Band, mit der Die Happy seit ihrer Gründung immer verglichen wird und die den Ulmern zwei Nummer-eins-Chartplatzierungen voraushaben. Die Guano Apes reisten zwar ohne ihre Frontfrau Sandra Nasic an, doch den Apes-Gitarristen Henning Rümenapp gemeinsam mit Thorsten Mewes auf der Bühne rocken zu sehen, war alleine schon das Eintrittsgeld wert. So wie auch das Vater-und-Tochter-Duett auf Tschechisch: Martas Vater Petr Janda, mit seiner Band Olympic in der Heimat auf einem Popularitätsranking so weit oben wie etwa ein Herbert Grönemayer in Deutschland, reiste aus Prag an.
Gründungsmitglieder sind stolz
Für Marta ein sichtlich bewegender Moment: „Es macht mich sehr stolz, mit ihm auf der Bühne zu stehen.“ Stolz waren auch Markus Heinzmann und Julian Rosenthal. Die zwei dürfen sich offiziell Gründungsmitglieder von Die Happy nennen, stiegen aber in den 90ern aus, bevor aus der Schülerband eine professionelle Kapelle wurde. Am Samstag durften sie dann kurz erleben, wie man sich als Rockstar fühlt: 1000 Kehlen außer Rand und Band im Roxy, statt 25 Zuhörer im Wippinger Schützenhaus.
1000 Gesichter, von denen einige aber auch schon in Wippingen waren. So wie etwa Heidrun Mewes, die Mutter des Gitarristen. „Ich bin der Fan der ersten Stunde.“ Und sie will auch beim 2000. Konzert dabei sein.