Ulm Stefan Eberstadts Arbeiten auf Papier, seine Wand- und Bodenobjekte beschäftigen sich mit der Synthese aus konkreter Kunst, Architektur und Design. Seine Arbeiten in der „Galerie in der Sebastianskapelle“ haben einen starken architektonischen Bezug, sie spielen mit der Idee der Funktionalität und sind doch Kunstobjekte.
Struktur einer Bauzeichnung
Immer spürt er der „Anatomie des Gleichgewichts“ nach, wie auch der Titel der Ausstellung lautet. Eine seiner bekanntesten Arbeiten, die aufgrund ihrer Größe nicht gezeigt werden kann, ist sein „Rucksackhaus“ – eine 9 Quadratmeter große, begehbare Skulptur aus durchsichtigem Plexiglas, die Eberstadt als real existierenden Wohnraum verstanden wissen möchte und die 2006 im Deutschen Pavillon auf der 10. Internationalen Architekturbiennale in Venedig zu sehen war. Die Idee der Architektur, die zugleich Skulptur ist, verfolgen viele Architekten – Daniel Libeskind beispielsweise, dessen kantig-eigenwillige Kunst der harmonischen Asymmetrie Eberstadt aufgreift. Eberstadt aber sieht sich dem Architektengewerbe nur bedingt nahe: „Ich bin als Künstler wesentlich freier in meinen Möglichkeiten“, sagt er und fügt hinzu: „Ich fühle mich in keine Systematik eingebunden.“
Seine Serie „U Turn“ entwirft in großen Formaten, die holzgerahmt auf dem Boden stehen, einen Gruppenrhythmus aus schwarzen Formen; für sich genommen ist jede Arbeit eine konkrete Grafik; in der Reihung entwerfen sie eine energiegeladene Paraphrase auf die Räumlichkeit, die nur vom spiegelnden Glas etwas gestört wird. „Non Linear Stories“ greift beim ersten Betrachten die Struktur einer Architektur- oder Bauzeichnung auf, wird aber durch gestische Striche und Eberstadts schwarze „Rhythmuskuben“ dynamisiert.
Strenger geht es in „Floortation“ zu, hier ist Eberstadt auf den Spuren des Lageplans unterwegs, den er ästhetisiert. Spannend wird es, wenn der Künstler, der auch Möbel und ganze Interieurs entwickelt, Farbe ins Spiel bringt („Flieger“ im 2. OG). Seine „Cloud“ – ein schwebendes Objekt, das eine Wolkenform ins Geometrische transponiert – oder seine aus Karton gebauten Objekte spielen mit Raum, Schwere und Leichtigkeit. Kunst ist für den bei Ingolstadt lebenden Allrounder ein „Lebenskonzept“, sie steht für ihn in einem größeren Zusammenhang.
Kein „L’art pour l’art“ also, sondern ein Erforschen der Wirklichkeit. So darf man seine grafischen und räumlichen Arbeiten also, wie Laudatorin Angelika Bauer erklärte, als ein regelrechtes Anatomiestudium der Wirklichkeit verstehen, das den Ausstellungsraum und die sich darin bewegenden Betrachter einschließt.
Ausstellung „Anatomie des Gleichgewichts“ in der „Galerie in der Sebastianskapelle“; Öffnungszeiten: Freitag, 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 14 Uhr, sowie nach Vereinbarung.
Infos auch online
www.galerie-sebastianskapelle.de