Ulm Noch nie wurden in einem ersten Vierteljahr so viele Erkrankungen durch das Hantavirus registriert wie in diesem Jahr. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) heute mitteilt, wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres zwei Fälle aus Ulm an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Im gesamten vergangenen Jahr gab es nur einen Fall in der Stadt. Landesweit sind im ersten Quartal schon 284 Krankheitsfälle aufgetreten. Selbst in den bisherigen „Rekordjahren“ 2007 und 2010 waren es im selben Zeitraum mit 87 bzw. 157 Erkrankungen deutlich weniger.
Das Hantavirus wird von der Rötelmaus, auch Waldwühlmaus genannt, übertragen und kann plötzliches Fieber, Rücken-, Kopf- und Bauchschmerzen verursachen. Zusätzlich kann die Nierenfunktion gestört werden oder sogar ein akutes Nierenversagen auftreten. Zu Infektionen kommt es meist dann, wenn Menschen mit dem Kot, Urin oder dem Speichel der Mäuse in Berührung kommen. „Das ist gerade jetzt im Frühjahr häufig der Fall, wenn in Scheunen, Lagerschuppen, Wochenendhäusern, Dachböden oder Garagen sauber gemacht und dabei Staub aufgewirbelt wird“, sagt Klaus Föll, Sprecher der TK Ulm. Der Erreger wird eingeatmet (Tröpfcheninfektion) und gelangt so in den Körper.
Die Rötelmaus ist der Übertrager
„Da sich die Rötelmaus hauptsächlich von Bucheckern ernährt, werden aus Gebieten mit Buchen- oder Mischwäldern entsprechend viele Krankheitsfälle gemeldet“, erklärt der TK-Sprecher. Besonders viele Fälle wurden in den Kreisen Reutlingen (34), Göppingen (34) und Stuttgart (30) registriert. In den Schwarzwald-Regionen mit teilweise hohem Nadelwaldanteil sind Hantavirus-Erkrankungen eher selten.
Um die Ansteckungsgefahr beim Reinigen der genannten Räume zu verringern, empfiehlt die TK, diese vor dem Saubermachen mindestens 30 Minuten zu lüften. Vorsorglich sollten beim Putzen Mundschutz sowie Einweggummihandschuhe getragen und möglichst wenig Staub aufgewirbelt werden. Patienten, die nach Reinigungsarbeiten an grippeähnlichen Symptomen leiden, sollten dem Arzt einen Hinweis auf die Möglichkeit einer Infektion mit dem Hantavirus geben. (az)