Donnerstag, 29. Juni 2017

18. November 2015 09:00 Uhr

Elchingen

Asyl: Weiter Kritik an Fabrikhallen-Lösung

Die geplante Unterkunft in Unterelchingen löst erneut kontroverse Diskussionen aus – und mehr noch: Ein Nachbar möchte einen Sichtschutz bauen.

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Eine kontroverse Diskussion löste eine eigentlich zunächst nicht außergewöhnlich klingende Bauanfrage im Elchinger Gemeinderat aus: Ein Bürger möchte an seinem Haus einen zwei Meter hohen Sichtschutzzaun errichten. Der Elchinger wohnt am Dammweg – direkt neben der neu geplanten Asylbewerberunterkunft. Der Elchinger Bauausschuss genehmigte das Vorhaben des Anliegers – jedoch mit gemischten Gefühlen.

Karin Batke von der UFWG empfand den Sichtschutz als „kein schönes Zeichen“. Sie hoffe, dass es nicht die Stimmung in diesem Gebiet widerspiegele. Freie-Wähler-Rat Josef Mayer war bei der Diskussion über den Bauantrag hingegen folgender Meinung: „Die Nachbarn haben das Asylheim sieben Meter vor ihrer Haustür. Ich habe volles Verständnis dafür, dass sie einen Sichtschutz für ihre Privatsphäre schaffen wollen.“ Die beiden Ansichten und Situationseinschätzung der beiden wurde von allen Mitgliedern des Bauausschusses geteilt. Der Sichtschutzzaun wird aus Gabionen (in Draht eingebundene Steine) und Sichtschutzelementen bestehen.

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Über das geplante Flüchtlingsheim am Dammweg wurde ebenfalls noch einmal diskutiert: Wie bereits berichtet, plant das Landratsamt, eine ehemalige Fabrikhalle in Un-terelchingen als Unterkunft für 66 Flüchtlinge zu nutzen. In der Gemeinderatssitzung im Oktober wurde das Thema an den Arbeitskreis Bau verwiesen. Dieser hat sich inzwischen mit dem Bauherr und dem Geschäftsbereichsleiter Bauen im Landratsamt Neu-Ulm zusammengesetzt, um Änderungen für eine „humanitärere Unterbringung“ und eine Reduzierung der Belegung in der geplanten Unterkunft zu erreichen. Der Arbeitskreis Bau empfahl daraufhin dem Gemeinderat, dem Antrag des Bauherrn zuzustimmen, wenn ein Gemeinschaftsraum in der Flüchtlingsunterkunft eingeplant wird. Doch die Räte entschieden in der jüngsten Gemeinderatssitzung anders und lehnten den Antrag ab. Der zweite Bürgermeister, Johann Gröger (FWE) begründete das so: „Das Ergebnis des Gespräches zwischen Ausschuss und Bauwerber biete keine ausreichende Grundlage für eine humanitäre Unterbringung der Flüchtlinge in einem überbelegten Haus mitten in einem Wohngebiet. Der Grundstein für eine erfolgreiche Integration ist hier nicht gegeben. Asyl ja, aber nicht unter diesen Bedingungen.“ Die Unterkunft sei zwar besser geeignet als die Unterbringung in Turnhallen, aber die Räte seien verantwortlich für den Frieden im Haus.

Dieser erhöhe auch die Akzeptanz im Umfeld, gab Batke (UFWG) zu bedenken. Die täglichen Berichte über Konflikte in inhumanen und zu engen Unterbringungsmöglichkeiten jagten den Menschen Ängste ein. Man dürfe keine Szenarien schaffen, die diese Ängste noch schürten. Die geplante Belegung und die vorgesehnen sanitären Einrichtungen seien sozial unerträglich, meinten Manfred Bittner und Karin Danzer (Die Eule). Dieser Meinung war auch Achim Götz namens der CSU. Die geplante Unterkunft bietet keinerlei Außenanlage. Dort sei weder ein Gemeinschaftsraum, noch ein Spielzimmer für Kinder vorgesehen. Es gebe zum Beispiel für 66 Frauen, Männer und Kinder zwei Toiletten und keinen Wäschetrockenraum.

Fraktionsübergreifend wurden die Nöte des Landratsamtes zur Unterbringung von Flüchtlingen anerkannt. Dem Landkreis werden zurzeit wöchentlich etwa 60 Flüchtlinge zugeteilt. Trotzdem lehnte der Gemeindrat den Bauantrag erneut ab. „Unsere Erwartungen wurden nicht erfüllt. Es reicht nicht“, meinte Bürgermeister Joachim Eisenkolb.

Karin Danzer (Die Eule) wies noch einmal auch daraufhin, dass der Freundeskreis Asyl bereits jetzt mit der Unterkunft „Adler“ an seine Grenzen gelangt sei. Niemand wisse, wie man weitere 66 Flüchtlinge ehrenamtlich betreuen soll. Doch ob das Nein des Gemeinderates den Umbau verhindern kann, ist zweifelhaft: „Denn das Bauvorhaben wird von der übergeordneten Behörde genehmigt werden“, meinte Richard Rösch (DGO). (mde)

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