Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten
Ulm
Icon Pfeil nach unten

Serie (4): Auf den Spuren der Neandertaler

Serie (4)

Auf den Spuren der Neandertaler

  • |
  • |
  • |
    Im Jahr 2011 veränderte ein Einsturz das Erscheinungsbild der Bocksteinhöhle. Die Haupthöhle des Komplexes ist vom Verfall bedroht.
    Im Jahr 2011 veränderte ein Einsturz das Erscheinungsbild der Bocksteinhöhle. Die Haupthöhle des Komplexes ist vom Verfall bedroht. Foto: Foto: köd

    Höhlen faszinieren: Sie waren Wohnstätten der Eiszeitmenschen. In Höhlen entstand der erste Ausdruck von Kunst und Kultur. Die frühesten figürlichen Darstellungen, die Archäologen bisher entdeckten, wurden vor etwa 30000 Jahren in den Höhlen um Ulm geschaffen. Für geologisch Interessierte sind die Höhlen der Region als Reisen durch die Erdgeschichte spannend. Während der Sommerferien stellt die NUZ ihren Lesern Höhlen der Region als Ausflugsorte vor.

    Öllingen Nein, die Kekspackung auf dem Höhlenboden stammt sicher nicht von den Neandertalern, die im Paläolithikum, der Altsteinzeit, hier lebten. Ein Höhlenbesucher hinterließ sie in der Bocksteinhöhle, wo vor 60000 oder 70000 Jahren Neandertalermenschen wohnten. Die Bocksteinfundstellen, wo Hinterlassenschaften vom einfachen Faustkeil bis hin zur Weiterentwicklung des nach der Fundstelle benannten „Bocksteinmessers“ entdeckt wurden, sind ein Höhlenkomplex zwölf Meter über dem Lonetal, der von Archäologen in den 30er Jahren als „Schmiede“, als Werkzeugs-Produktionsort der Neandertaler, vermutet wurde. Diese Annahme erwies sich später als falsch, die zahlreichen Funde stammen aus verschiedenen Aufenthaltsphasen der Neandertaler. Die Bezeichnung jedoch blieb.

    Der Anstieg auf den Felssporn zu den Bocksteinhöhlen hat es in sich. Wer nicht trittsicher ist, sollte den Weg über steile, rutschige Pfade nicht beginnen, und bei Nässe wird der Pfad über glatte Steine, Wurzeln und Erde gefährlich glitschig. Die Haupthöhle des Bocksteinkomplexes ist vom Verfall bedroht. Ein mächtiger Einsturz vor 2001 veränderte ihr Erscheinungsbild. Der große Höhlenraum jedoch vermittelt ein archaisches Gefühl eines Wohnens und Lebens in der Altsteinzeit.

    In der Bocksteinhöhle selbst fanden Archäologen einen etwa vor 60000 Jahren sorgfältig gearbeiteten Schaber aus blauem Radiolarit. Vor dem Bocksteinloch, einer kleineren Höhle im Komplex, wurden im Sommer 1933 zahlreiche Werkzeuge – Bohrer, Messer, auch Geschossspitzen – gefunden. Der Höhleneingang, den die Neandertaler wohl benutzten, heißt heute Bockstein-Törle und wurde erst bei einer Sprengung 1953 entdeckt.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden