Ein Club, der um 2 Uhr zumachen muss, rentiert sich nicht mehr
Für den Mahatma-Eigentümer eine bittere Realität - aus der er Konsequenzen ziehen will. "Wenn das so kommt, werden wir zusperren müssen." Denn die Clubs an der Lessingstraße seien damit nur mehr "Warm-Up-Locations", die sich nicht mehr von anderen Bars oder Cafés unterscheiden. "Und da habe ich starke Bedenken, ob dann überhaupt noch jemand zu uns rausfindet", sagt van Gaalen. In Ulm hätten Nachtschwärmer schließlich eine ganze Reihe an Ausgehmöglichkeiten - alle mehr oder weniger fußläufig erreichbar.
Dass es in Neu-Ulm bald schon keine richtigen Diskotheken mehr geben könnte, will Frank van Gaalen aber noch nicht einfach hinnehmen. Eine Homepage mit dem Titel "Neu-Ulm schafft sich ab" ist gerade im Entstehen. Wenn sie fertig ist, sollen Gegner der Sperrzeitverlängerung von dort aus eine Nachricht an die Stadt verschicken können, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich bereits eine gleichnamige Gruppe gebildet, die mittlerweile weit über 1000 Anhänger hat. Und auch im Forum von "Team Ulm" wird das Thema diskutiert. Dass man nicht alle Partygänger über einen Kamm scheren dürfe, ist dort zu lesen. Denn nicht jeder, der in die Disco gehe, tue das mit der Absicht, sich zu schlägern. Ein anderer Nutzer schreibt: "Probleme werden dadurch nicht gelöst, sondern verlagert."
Das sieht auch Frank van Gaalen so. Die Leute würden dann eben nach Senden oder in die umliegenden Landkreise fahren. Er selbst, der aktuelle Betreiber und die künftigen Betreiber des Mahatma, Markus Endres und Yvonne Samstag, sowie die Mitarbeiter der Clubs seien deshalb vielmehr an einer Lösung des Problems interessiert. "Wir sind ja nicht die Nein-Sager, wir sind eigentlich die Opfer." Denn bevor die Polizei mit den Leuten, die Ärger machen, zu tun haben, hätten sie mit ihnen zu tun.
Einen ersten Beitrag, um den Ärger in der Lessingstraße zu reduzieren, hat van Gaalen von sich aus geleistet. Der Club Ohm, den derzeit noch Yvonne Samstag betreibt, soll zum Jahresende schließen. "Wir wollen zum 31. Dezember aus dem Mietvertrag rauskommen." Auslöser für diese Entscheidung war eine Polizeirazzia im Oktober, bei der 17 Gäste mit Drogen erwischt wurden. Dass anschließend von einem über die Grenzen Neu-Ulms hinaus bekannten Drogenumschlagplatz die Rede war, hatte das Image des Clubs doch stark beschädigt. Angeblich sagten auch bereits gebuchte DJs wieder ab.
Einen Nachmieter wolle man trotzdem suchen - Techno oder elektronische Musik wird es dort aber aller Voraussicht nach nicht mehr geben. "Da hätte der neue Betreiber schließlich innerhalb kürzester Zeit dieselben Probleme", sagt van Gaalen. Das Mahatma will er indes noch nicht aufgeben - auch wenn es fast unvermeidbar scheint, dass der Stadtrat die Verlängerung der Sperrzeit durchwinkt. "Der Fraktionschef der CSU ist bei der Polizei und der Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor ist ebenfalls CSU-Stadtrat", sagt van Gaalen lakonisch. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Noch vor der entscheidenden Sitzung will er die Stadträte deshalb in die Clubs in der Lessingstraße einladen. Auch das Personal und einige Gäste sollen dabei anwesend sein: "Damit die sehen, dass wir eigentlich alle ganz normale, friedliche Leute sind."