Josef Feistle beim Welttag des Buches in der Weißenhorner Stadtbücherei
Weißenhorn Fünf Bücher, ein Aufnahmegerät, eine Lesebrille – hinter einem Tisch, auf dem diese Dinge fast sakral aufgebaut sind, nahm der Weißenhorner Autor Josef Feistle in der Weißenhorner Stadtbücherei Platz: „Ich geh ins Buch – die Welt kann draußen bleiben“ Aus seiner Kunst des Zwischen-den-Zeilen-Lesens machte er einen veritablen Kabarettabend.
„107 Jahre alt, verheiratet, kein PC, kein Handy, zweieinhalb alte Autos, ein Haus von 1634, zwei Katzen. Noch Fragen?“ Auf Reisen – die er mit seinen historischen Mercedes-Benz-Limousinen unternimmt – oder beim Spaziergang durch seine Heimatstadt, die er mit liebevollkritischem Blick durch die Fotolinse porträtiert, immer lauert Feistles wortmächtige Formulierungsgabe auf „Löcher in der Gegenwart“. Er verwandelt schreibend Unsitten in Aperçus, amüsiert, reibt sich an Skurrilitäten und Eigenarten seiner Zeitgenossen. Seine Lesungen: ein Mix aus „Stand-up“ und durchdachter Struktur. Seine Wortkunst spießt „Gschaftlhuberei“ und Borniertheit auf, notiert Momente der Stille, gewährt poetische Blicke auf die kleinen Dinge.
„Schatten sind oft schöner als die Sache selbst“, weiß er, der seinen lyrischen „Gegenwartsboykott“ lebt. Zum Tag des Buches nahm er die Zuhörer mit „ins Buch“, zu dem, was ihn als Autor antreibt: „Freie Sicht aufs Wesentliche!“ (flx)
Buch „Ich fress mir aus der Hand“, Josef Feistle. Verlag des Weißenhorner Heimatmuseums, ISBN: 928891-10-3.
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