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Der Fall Wetzig und das Murren auf dem Rathausflur

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Der Fall Wetzig und das Murren auf dem Rathausflur

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    Das Duo beschäftigt Staatsanwälte: Baubürgermeister Alexander Wetzig (links) und sein Studienfreund, der Architekt Stephan Braunfels. Archiv-Foto: Böttcher
    Das Duo beschäftigt Staatsanwälte: Baubürgermeister Alexander Wetzig (links) und sein Studienfreund, der Architekt Stephan Braunfels. Archiv-Foto: Böttcher Foto: Böttcher

    Ulms

    stets gut gekleideter Baubürgermeister versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Schüttelt Hände, repräsentiert und konferiert fast wie zu seinen besten Zeiten. Gefühltermaßen aber etwas weniger als vor der Braunfels-Affäre. "Ist das nicht der, der ..." Ja, es wird getuschelt, wenn

    Ulms

    Herr über den gepflegten

    Hochbau

    , aber mit dem Atem der

    Staatsanwaltschaft

    im Nacken, öffentlich auftritt. Nach wie vor ist

    Alexander Wetzig

    nämlich ein Beschuldigter, weil er eine halbe Million Euro des befreundeten Stararchitekten

    Stephan Braunfels

    auf seinem Privatkonto zwischenlagerte. Warum? Darüber zerbrechen sich Rathausmitarbeiter und Juristen weiter den Kopf.

    Wie Michael Bischofberger, der Pressesprecher der Ulmer Staatsanwaltschaft, gestern bestätigte, sind die Ermittlungen immer noch nicht abgeschlossen. Der Verdacht der "Beihilfe zur Vereitelung einer Zwangsvollstreckung", wie es Juristen nennen, bleibt also bestehen.

    Im Klartext: Es hat den Anschein, als hätte Wetzig Geld seines alten Kumpels auf seinen Konten versteckt, damit die Gläubiger von Braunfels nicht drankommen. Offenbar leidet unter der Sache auch das Ansehen an der Arbeitsstelle: Unabhängig voneinander, aber übereinstimmend, berichten mehrere Mitarbeiter der Ulmer Stadtverwaltung, dass Wetzig "kaum noch Respekt" genieße. In der Belegschaft gäre der Unmut darüber, dass ihr Vorgesetzter die ganze Behörde ins Gerede gebracht habe.

    Volker Jescheck als Nachfolger?

    Im Wesentlichen habe sich der Baubürgermeister, der zuvor den Mitarbeitern gegenüber "knallhart" aufgetreten sei, in sein Büro zurückgezogen, trete kaum noch in Erscheinung. Im Ulmer Rathaus wird demnach gemunkelt, dass die Tage Wetzigs im Amt gezählt seien. Es gebe Anzeichen, die auf einen baldigen unverfänglichen Rückzug - etwa durch Frühpensionierung - des 63-Jährigen hindeuten. Flurfunk und Kaffeeküchenrunden im Rathaus wollen auch schon einen möglichen Nachfolger ausgemacht haben. Es soll sich um Volker Jescheck handeln, den Leiter der Hauptabteilung Stadtplanung, Umwelt, Baurecht.

    Weder Wetzig noch Gönner waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Warten auf Klarheit geht also weiter: Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden, kann Staatsanwalt Bischofberger nicht sagen. Sie ziehen sich in die Länge, weil die ganze Geschichte nicht von den Ermittlungen in Sachen Braunfels zu trennen ist. Laut Staatsanwaltschaft haben die Gläubiger des Architekten inzwischen Strafantrag gestellt.

    Wie berichtet, hat der Architekt Braunfels seinem Studienfreund Wetzig im Februar 2009 einen Betrag von einer halben Million Euro auf dessen Privatkonto überwiesen. Sieben Monate später wurde das Geld zurücktransferiert - ohne dass es angetastet worden war.

    Nach einem Tipp von außen flog dieses Geschäft auf. Die Staatsanwaltschaft wurde aktiv und durchsuchte Dienst-, Geschäfts- und Privaträume in Ulm, München und Berlin. Anfängliche Mutmaßungen, es könne sich um einen Fall von Korruption im Amt handeln, teilt die Staatswanwaltschaft offenbar nicht. Ihre Einschätzung: Möglicherweise hatte die Zahlung nichts mit der Amtsführung des Bürgermeisters zu tun, sondern war eine Art "Freundschaftsdienst", der freilich ebenfalls strafbar sein kann. Bernhard Junginger und Oliver Helmstädter

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