Donnerstag, 23. Mai 2013

12. März 2012 12:59 Uhr

Theatro

Die Rolltreppe bezwingen

Der Sänger Rea Garvey punktet mit seiner sympathischen Art und einfühlsamen Stimme Von Florian Ankner

1000 überwiegend weibliche Besucher jubelten Rea Garvey im Ulmer Theatro zu. Der Sänger verzückte seine Fans mit seinem spitzbübischen Auftreten und rührenden Geschichten aus seinem Leben.

Ulm Unter satten Trommelschlägen und Fanfarenklängen bestieg Rea Garvey die Bühne des ausverkauften Theatro, wie einst die Gladiatoren im alten Rom. Die imposanten Töne des Liedes „Iron“ stammen nicht aus seiner eigenen Feder, sondern kommen von dem französischen Sänger „Woodkid“. Doch das tut der aufgeheizten Stimmung unter den zumeist weiblichen Fans keinen Abbruch.

„Meine Freude und Neugier sind viel größer als meine Angst“, verrät der in Deutschland lebende, sympathische Ire. Die Zwiesprache mit dem Publikum ist ihm wichtig. An seinen ersten Besuch in Ulm kann er sich noch gut erinnern, besonders an den Moment, als er „die Rolltreppe hinauffuhr“. Damals war Garvey noch als Alleinunterhalter unterwegs, konnte kein Deutsch und war so weit weg von seiner Heimat, „alleine und aufgeschmissen“. „Um heute hier stehen zu können, musste ich diese Rolltreppe bezwingen und ich bin froh, sie genommen zu haben“, sagt er vor seinen rund 1000 Besuchern. Die Zeiten, in denen er ein „No-name“ war, sind längst vorbei. Als Frontmann der Band „Reamonn“ schaffte er vor über zehn Jahren den Durchbruch mit dem Lied „Supergirl“, das von seiner Frau handelt, die sich keine Vorschriften machen lässt, auch nicht von ihrem eigenen Mann. Seit diesem folgten unzählige Top-Ten-Hits sowie mehrere Alben, bis er sich schließlich entschied, eine Solokarriere zu starten.

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Er ist ein Sympathieträger mit einem spitzbübischen Lächeln, der mit seinem gebrochenen Deutsch das Publikum zum Schmunzeln bringt. Und er kann, wie er singt, die Stille nicht ertragen. So verwundert es auch nicht, das sein aktueller und erster „eigener“ Hit „Can’t stand the silence“ heißt. Über der Musik liegt immer Garveys charismatische, einfühlsame Stimme – egal ob bei der rockigen Nummer „Colour me in“ oder bei Balladen wie „Take your best shot“.

Zu vielen Songs erzählt Garvey Geschichten. So geht es in dem Stück „My Child“ darum, dass seine Tochter Klavier spielen lernte, als er „mal wieder unterwegs“ war. „Wenn man so viel unterwegs ist wie ich, bekommt man leider viel zu wenig von der Entwicklung der Kinder mit“, erklärt Garvey nachdenklich. Das Lied „Heart of an enemy“, handelt davon, dass jeder „eine Person haben sollte, die er anrufen kann, wenn es ihm schlecht geht.“

Kritik am Umgangston in Castingshow

Auch einen Überraschungsgast bekommen die Fans zu sehen. Denn Garvey, der Jurymitglied der Castingshow „The Voice of Germany“ ist, hat seinen Schützling Michael Schulte mit nach Ulm gebracht und überlässt ihm für die beiden Lieder „Feel“ von Michael Buble und „Carry me home“ die Bühne. Dabei setzt Garvey auch einen Seitenhieb gegen eine andere Castingshow, in der „ein Mann sitzt, bei dem jedes zweite Wort ein Ausdruck“ ist. „Junge Sänger brauchen konstruktive Kritik und müssen nicht fertiggemacht werden“, sagt er unter lautem Beifall des Publikums.

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