Ulm Die „Weste“ war das kleinste Theater Deutschlands; mit diesem Slogan hatte schon der „Weste-Urvater“ Theo Dentler seine kleine Bühne beworben. Der Standort in der Ulmer Herrenkellergasse wurde im Herbst vergangenes Jahr aufgegeben, seitdem wurde, wie Theaterleiter Thomas Dentler betont, „verzweifelt“ nach anderen, vor allem bezahlbaren Räumen gesucht. Solche sind jetzt in Böfingen gefunden.
In der Innenstadt waren sie nicht zu finden. Das Theater hielt sich in dieser Zeit mit Auftritten im In- und Ausland am Leben – so etwa mit einer Tournee nach Australien, wo Thomas Dentler in den „Ansichten eines Clowns“ seines Lieblingsautors Heinrich Böll auftrat. Die Theatertore in Ulm sollten jedoch nicht für immer geschlossen bleiben – unerwartet fand das Kleintheater in Heinz und Georgette Schreiber aus Ulm Schützenhilfe: Ein leer stehender Geschäftsraum in der Böfinger Eberhard-Finckh-Straße 10 wurde Thomas Dentler angeboten. Der zögerte nicht und griff zu: „So einen schönen Raum zu bekommen ist ein Geschenk, da mussten wir zugreifen!“ Nun kann, wenngleich auch in einiger Entfernung zur Innenstadt, die Kleinbühne das neue Domizil als schlagendes Herz ihrer vielfältigen Aktivitätenentfaltung betrachten.
Neues Kapitel in der langen „Weste“-Geschichte
Und dafür ist einiges in Planung – etwa Kooperationen mit Ulmer Schulen, wie die Vorführung der von Nancy Calero geleiteten Theatergruppen der Eduard-Mörike-Schule (2. Klasse a/b/c) zur Theatereröffnung zeigte. Der Dauerbrenner des Theaters, „Der kleine Prinz“ in Bühnenfassung, wird in den knapp 50 Besucher fassenden Räumen ebenso sein neues Zuhause finden wie das am heutigen Abend Premiere feiernde One-Woman-Stück „Die Frau, die gegen Türen rannte“ mit Michaela Kampka in der Hauptrolle. „Wir haben viele Freunde, Förderer und ehrenamtliche Helfer gehabt“, betont Dentler. So sorgte ein bekannter Innenausstatter für die karge, fernöstlich wirkende Inneneinrichtung mit Holzbänken und Statuen von Gottheiten.
Thomas Dentler stand schon als Junge neben seinem Vater Theodor auf der „Weste“-Bühne, wusste schon als Kind: „Ich will zum Theater“. Mit 25 legte er seine Schauspielprüfung ab. Seitdem ist er auf und hinter der Bühne, spielt, führt Regie, trommelt Besetzungen für Stücke zusammen und verwirklicht seine Vision eines „interkulturellen“ Theaters. Ob das wieder alles klappt? Dentler ist Optimist. In der über 150-jährigen Theatertradition seiner Familie war an kreativen Lösungen kein Mangel. Die Bühne in Böfingen ist in diesem Sinne das nächste Kapitel. (flx)
Eröffnungsprogramm Am heutigen Samstag, 26. Mai, 20.15 Uhr, „Die Frau, die gegen Türen rannte“. Karten unter Telefon 0731/ 81445.