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02. September 2010 21:05 Uhr

Die neuen Projekte des "Mutmachers" Ernst Prost

Ulm Ob im Werbespot vor den Tagesthemen, in mehreren großen Tageszeitungen oder in Talkshows wie bei Anne Will: Kaum ein Unternehmer ist derzeit in der Republik so medial präsent wie der Ulmer Unternehmer Ernst Prost. Die offizielle Nominierung gestern als Anwärter um den Titel "Mutmacher der Nation" (wir berichteten) nahm der Liqui Moly-Chef zum Anlass, über seine künftigen Tätigkeiten außerhalb der Ölbranche zu berichten.

Ernst Prost (links) ist nominierter "Mutmacher der Nation". Gerrit Klein, der Geschäftsführer des Ulmer Ebner Verlags (rechts) überreichte gestern Ernst Prost die Urkunde der Initiatoren. Foto: Helmstädter
Foto: Helmstädter

Auf seiner Agenda für das kommende Jahr: die Gründung einer wohltätigen Stiftung und einer unabhängigen Denkfabrik. "In mir gibt es einen unbändigen Drang, etwas Vernünftiges zu tun", sagte Prost gestern. Er wolle künftig mehr tun, als Öle und Additive zu verkaufen. Klar ist ihm aber, dass dies nur durch das boomende Geschäft damit möglich ist. Liqui Moly stellte dieses Jahr bereits 36 neue Mitarbeiter ein, erwirtschaftete im laufenden Jahr bereits eine 22-prozentige Umsatzsteigerung und zahlt seinen Mitarbeitern freiwillig mehr Geld, als im Tarifabschluss der Gewerkschaft ausgehandelt.

Die geplante Stiftung will Prost 2011 unter Dach und Fach gebracht haben und mit einem Millionenbetrag aus seinem Privatvermögen ausstatten. Unverschuldet in Not geratenen Menschen soll so geholfen werden. Anlass für dieses Engagement seien zahlreiche Zuschriften, die den 53-Jährigen aufgrund seiner Medienpräsenz erreichen. Viele platte Bettelbriefe seien darunter, aber auch Schicksale, denen er mit Hilfe begegnen möchte. "Jahrelang standen Liqui Moly und mein Name nur für gute Qualität. Jetzt stehen wir auch für Werte. Das ist fantastisch." Prost möchte Firma und seine neuen sozialen Aktivitäten jedoch strikt trennen.

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Das andere neue soziale Steckenpferd von Prost ist seine "Denkfabrik", von ihm auch "Denkstube" genannt. Unter dem Dach eines noch zu gründenden Instituts oder Vereins möchte er Freidenkern ein völlig unabhängiges Arbeitsumfeld und Forum bieten. Wissenschaftlich fundierte Lösungskonzepte von ganz konkreten gesellschaftlichen, sozialen oder politischen Problemen sollen darin erarbeitet, finanziert und jedermann zugänglich gemacht werden.

Hintergrund dafür ist sein Ärger über eine "geistige Parteidiktatur", die in Deutschland herrsche. Es gebe zu viele "Denkverbote" für Entscheidungsträger aus Gewerkschaften, Parteien oder Stiftungen, da immer eine ganz gewisse Linie in der Grundhaltung eingehalten werden müsse. Prost vermisst den "Respekt vor anderen Meinungen".

Gut möglich ist, dass Prost dieses Engagement zum Titel "Mutmacher der Nation" führt. Gestern wurde er als einer von drei Kandidaten für den Landessieg in Baden-Württemberg nominiert. Im Herbst wird der Bundessieger in Berlin gekürt. Mit dem festen Glauben an seine Vision habe er die Jury beeindruckt.

Ethik und Unternehmertum im Einklang

"In letzter Konsequenz geht es ihm immer um die Menschen, nicht um die Eigenkapitalrendite oder den Shareholder-Value", sagte Gerrit Klein, der Geschäftsführer des Ebner Verlags, der Prost die Urkunde aushändigte. Es werde zu viel gemeckert in Deutschland. Prost hingegen zeige auf, dass Ethik und Unternehmertum im Einklang funktionieren können.

Der hochgelobte "Mutmacher" versucht, bescheiden zu bleiben. Schon immer habe er nur versucht, anständig zu sein, "so wie es mich meine Großmutter gelehrt hat". Neu sei aber, dass er seit einiger Zeit das Bedürfnis habe, seine Vorstellungen von Anstand und Moral über die Grenzen der "Liqui Moly Familie" zu verbreiten.

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