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Rommel-Lesung: „Dir und Manfred“

Rommel-Lesung

„Dir und Manfred“

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    Ulla Willick, Michael Sommer und Gunther Nickles lasen im Podium des Theaters Ulm aus Dokumenten zu Erwin Rommel.
    Ulla Willick, Michael Sommer und Gunther Nickles lasen im Podium des Theaters Ulm aus Dokumenten zu Erwin Rommel. Foto: Foto: köd

    Ulm Sie wohnten im selben Haus, Wippinger Steige 13 in Herrlingen. Nacheinander natürlich, nicht gleichzeitig: alte jüdische Menschen aus der Region und die Familie Erwin Rommels. Das jüdische Zwangsaltersheim Herrlingen, entstanden aus einer Villa, die Teil des Kinderheimes von Anna Essinger gewesen war, wurde nach der Deportation der Bewohner renoviert und für die 1943 einziehende Familie des „Wüstenfuchses“ renoviert. Von den etwa hundert Bewohnern des Zwangsaltersheimes erlebten nur vier das Kriegsende.

    Opfer und Täter: Der Geist einer im Gas in Auschwitz ermordeten Jüdin und die Person Adolf Hitlers werden im Stück „Rommel – ein deutscher General“ am Ulmer Theater derzeit von Ulla Willick verkörpert; Gunther Nickles spielt Erwin Rommel. Beide Schauspieler und Co-Autor Michael Sommer lasen im Podium des Theaters Ulm Dokumente von Erwin Rommel und von Bewohnern des jüdischen Altersheims, Briefe und Texte, mit denen sich die beiden Autoren von „Rommel – ein deutscher General“ für das Stück beschäftigt hatten.

    Nur wenige der Briefe, die Erwin Rommel während des Zweiten Weltkrieges fast täglich an seine Frau Luzie schrieb, sind veröffentlicht. Sie sind im Besitz des Sohnes Manfred Rommel, der sie nach eigener Aussage nie geordnet hat. Aus dem Ulmer Stadtarchiv erhielten Michael Sommer und Stephan Suschke dagegen in Sütterlin geschriebene Briefe jüdischer Bewohnerinnen und von Beschäftigten des Zwangsaltersheims.

    So gegensätzlich die Position der Schreibenden auch war – nicht nur der letzte Wohnort bringt sie zusammen, sondern auch die Ausblendung der sie umgebenden politischen Realität. Für Rommel, der seine Briefe an seine Frau schloss mit „Dir und Manfred ...“, existierte Politik nur in der Person des „Führers“. Dass ihm die Nähe zu ihm viel bedeutete, dass sein Handeln gerade in den letzten Lebensmonaten ambivalent und von Widersprüchen gekennzeichnet war, das machen die Dokumente deutlich. Sie drücken Rommels überschäumende Begeisterung aus, „Zeuge der großen Rede“ Adolf Hitlers geworden zu sein, sie erzählen aber auch vom Willen, Hitlers Befehl „Sieg oder Tod“ des Afrika-Feldzuges zur Schonung der Soldaten zu umgehen, und sie dokumentieren eine verstörende Sicht auf das eingenommene und zerstörte Warschau: Die Bevölkerung, so der Generalfeldmarschall, würde die deutschen Soldaten als Befreier wahrnehmen.

    Schauerliche Verhältnisse im jüdischen Zwangsaltersheim

    Der Ton, der die Briefe der jüdischen Bewohnerinnen und Beschäftigten des Zwangsaltersheims prägt, ist ein sehr persönlicher, fast ohne die Wahrnehmung der Bedrohung. An geliebte Angehörige schrieben sie über geliebte Angehörige. Jenny Lemberger, deren Briefe von einem fast heiteren Ton sind, selbst noch nach der Umsiedlung in die wohl schauerlichen hygienischen und räumlichen Verhältnisse des heruntergekommenen Schlosses Oberstotzingen, muss das Leben und den Sommer geliebt haben. Stets mahnt sie ihre Adressaten, diese Monate zu nutzen, ins Freie zu gehen, sich daran zu freuen – und den Kopf hochzuhalten.

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