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Wanderausstellung: Doktor-Schnitzel wandern in den Kochtopf

Wanderausstellung

Doktor-Schnitzel wandern in den Kochtopf

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    Die spitze Feder von Arnd Hawlina gegen Plagiate.
    Die spitze Feder von Arnd Hawlina gegen Plagiate.

    Ulm Im Stadthaus hat es mit Ausstellungen angefangen. Seit vier Jahren hat die „Akademie für Kommunikation“ im Neubau auf dem Gelände der Unteren Donaubastion ein repräsentatives Dach überm Kopf. Im Eingangsfoyer wurde jetzt die Wanderausstellung „Deutscher Preis für die politische Karikatur“ eröffnet, der seit 1995 ausgeschrieben und von der „Akademie“ gestiftet wird.

    Exponate aus der Region sind nicht darunter. Aber sie beleuchten mit satirischer Feder deutsche und europäische Schlaglichter, setzten den spitzen Griffel da an, wo der Schuh drückt. Und Ulm ist irgendwie auch mit von der Partie: in der berühmten Äquivalenz-Formel von Masse und Energie E=mc2. Diese thront wie ein Warnschild in der mit Auszeichnung belohnten Idee des gebürtigen Kölner Kolumnisten Burkard Mohr „Retter in der Not“. Auf hoher See verqualmt ein „Germany“-Dampfer einen Holzkahn voller Boat-People. Einer der Ausgemergelten hält die Einstein-Tafel wie ein Rettungssignal hoch. Kommt Hilfe durch High-Speed“?

    Die Illustrationen der Präsentation sind getränkt mit aktuellen Themen: Griechenlandpleite, Energie, Guttenberg, Europa: Letztere klammert sich in erbärmlicher Gestalt am Abgrund fest, beäugt von einer Don-Quichote-Gestalt mit geschrottetem Regenschirm – hoch zu Ross auf einer Schindmähre (3. Preis: Burkhard Mohr). Karikaturen sind bekanntlich ins Komische neigende, überzeichnete Darstellungen von Menschen oder gesellschaftlich politischen Zuständen. Cartoons nennt man die bildliche Form der Satire im Englischsprachigen. Mit bewusster Übertreibung ins Humoristische oder Verzerrende will der Karikaturist zum Nachdenken anregen. Der Deutsche Preis für die politische Karikatur, auch Stuttgarter Karikaturenpreis genannt, wird seit 1996 alle zwei Jahre von der baden-württembergischen Akademie für Kommunikation an ausgewählte Karikaturisten aus ganz Deutschland verliehen. Die Preisgelder werden durch Sponsoren aufgebracht, Platz 1 ist mit 5000 Euro, Platz 2 mit 2500 und Platz 3 mit 1500 Euro dotiert.

    Zurück zur aktuellen Ausstellung in der Unteren Donaubastion: Zu Piero Masztalerzs Facebook-Schelte „Möst, ömmer noch keine Freunde“ (1. Preis) pikst etwa der Attendorner Schnellzeichner Arnd Hawlina das Guttenberg-Syndrom auf: „Mit Originalzutaten schmeckt’s einfach raffinierter ...“, ist der grinsende Freiherr mit Kochmütze zwischen Bücherbergen und Kochtopf als Chefkoch platziert, der seine Doktorarbeit mit Abrisszetteln füttert. Wohin das führte, wissen alle: Nachdem die Universität Bayreuth dem damaligen Bundesverteidigungsminister im Zuge der Plagiatsaffäre um seine Dissertation den Doktorgrad im Februar 2011 aberkannt hatte, legte er Anfang März 2011 sämtliche politischen Ämter nieder.

    Aber: Schadenfreude gilt nicht, denn: Die Stifter des Deutschen Preises für politische Karikatur wollen in einer Zeit, in der sich viele Menschen enttäuscht von der Politik abwenden, neue Wege finden, um auf politische Ereignisse aufmerksam zu machen. „Und sei es nur, um darüber zu lachen.“ Oder – um es in Zukunft einfach besser machen zu können. (roma)

    Ausstellung Die Preisträgerarbeiten des Deutschen Karikaturenwettbewerbs sind im Foyer der Akademie für Kommunikation in der Schillerstraße 1/10 in der Unteren Donaubastion am heutigen Samstag, 5. Mai, von 9 bis 14 Uhr zu sehen.

    Infos auch im Internet unter

    www.akademie-bw.de/kontakt/ulm/

    www.mitspitzerfeder.de

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