Roggenburg Im Keller dräut ein freundlicher Drache, im Sudhaus schlägt ein riesiges Herz, ein Zeppelin startet zu seinem letzten Flug, während in der Tenne Traumgespinste zum Leben erweckt werden. Eine Widerborstige lässt einen Theaterdialog einstürzen, in den Seminarräumen blickt eine erschreckte Sängerin in einen tonlosen Rachen. Das Haus für Kunst und Kultur im Kloster Roggenburg erbebt in seinen Grundfesten. Die Ferienakademie hat Einzug gehalten.
128 künstlerisch und musisch begabte Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 19 Jahren aus allen bayerischen Schularten sorgen dafür, dass das Generalthema „KUNST weckt TRäume“ hundertfach zum Leben erweckt wird.
Absolute Kapazitätsgrenze ist erreicht
Über 200 hatten sich zur Ferienakademie 2012 angemeldet. „Wir konnten leider nicht alle einladen, da wir die absolute Kapazitätsgrenze für die Dozenten und Teams der Bereiche Bildende Kunst, Musik und Theater erreicht hatten“, sagt Klaus Schneikart, der Direktor des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums Weißenhorn fast ein wenig traurig bei einem Rundgang durch die Akademieräume. Er vertritt seinen erkrankten Freund, Pater Roman Löschinger, den Direktor des Bildungszentrums im Kloster Roggenburg, der die Akademieteilnehmer und deren namhafte künstlerische Mentoren „herzlich willkommen“ hieß.
Was bereits am zweiten Akademietag gesehen und erlebt werden konnte, lässt am Ende dieser kreativen Woche auf eine äußerst spannende Präsentation von Kunst hoffen. Noch ist der Boden der „Darre“ im Haus der Kunst vollständig von gegenstandsfreier und gleichzeitig gegenstandstreuer Kunst mit Folien bedeckt, aus denen Luftgebilde geboren werden und sich am Ende in einer Performance aufzulösen.
Mit einfachsten Materialien entstehen in der Tenne Räume in Räumen, werden Gefühle zu Kunstträumen und Installationen zur Heimat von Liebe oder Aggression.
Sängerinnen und Sänger stürzen in die roten Schluchten von Stimmbändern, Chöre, die es nicht gibt, finden harmonisch zusammen und auf den Fensterbänken sitzen nachdenkliche Philosophen, um den Kunstträumen eine neue Farbe zu geben. Menschenkanus werden im Gleichschritt vom Stapel gelassen während Eis aus Bauschaum appetitlich zum Leben erweckt wird. Aus aufgeblasenen Quadraten wachsen menschliche Gesichter, das porträtierte Kloster Roggenburg wird ins Gebirge versetzt und aus Stoffwelten entsteht ein Schlaraffenland.
Neugier und Muse gehen eine fröhliche Verbindung ein. Die Auseinandersetzung mit den Dozenten wird zum freundschaftlichen Baum der Erkenntnis.