Landkreis Für die noch junge Solarbranche in der Region hat sich der Himmel seit vergangener Woche drastisch verfinstert. Grund sind die Pläne der Bundesregierung, die Förderung für aus Sonnenlicht gewonnenen Strom bereits ab Anfang März zu senken. Und zwar nach Ansicht vieler Betroffener wesentlich drastischer als zunächst erwartet. In Industrie, Handwerk und Landwirtschaft schrillen nun die Alarmglocken.
Die Firma Centrotherm in Blaubeuren mit ihren 1200 Mitarbeitern liefert Produktionsanlagen für Solarzellenhersteller auf der ganzen Welt. Da Deutschland aber weltweit der wichtigste Markt für Photovoltaikanlagen ist, werden die Kürzungspläne der Regierung bei Centrotherm mit größter Sorge gesehen. „Hier wird die Existenz von Arbeitsplätzen in einer Zukunftsbranche aufs Spiel gesetzt“, sagt Firmensprecher Torsten Knödler. Bei Kürzungen solle die Regierung „doch bitte mit Augenmaß statt mit der Brechstange“ vorgehen.
Doch nicht nur Branchenriese Centrotherm ist alarmiert. „Für die zahlreichen kleinen und mittleren Firmen, die sich auf die Solartechnik spezialisiert haben, sind diese Kürzungen natürlich lebensbedrohlich“, sagt Kreishandwerksmeister Michael Stoll aus Pfuhl. Es bestehe nun die „riesige Gefahr, dass viele Aufträge wegbrechen und damit auch Arbeitsplätze verloren gehen“. Dass es Kürzungen geben werde, dass diese teilweise auch sinnvoll seien, das habe sich ja abgezeichnet. Doch dass der Schnitt nun dermaßen heftig ausfalle, das treffe das Handwerk schwer. Stoll, dessen Fachbetrieb für Heizungstechnik auch Solaranlagen installiert, wünscht sich vor allem, dass die kleinen und mittleren Anlagen weiter geschützt werden. Nur so könnten diese auch für private Investoren interessant bleiben.
Elektriker: „Das ist eine Katastrophe“
Zu den Handwerkern, die nun um die Zukunft ihrer Betriebe bangen, gehören die Elektromeister Michael Rüd aus Senden-Aufheim und Heinrich Loresch aus Senden-Hittistetten. „Das ist eine Katastrophe für uns“, sagt Loresch, der sich mit seinen vier Mitarbeitern in den vergangenen Jahren stark auf den Verkauf und die Montage von Solartechnik spezialisiert hat. Viele seiner Kunden überlegten sich nun, ob sich ihre Pläne vom Sonnenkraftwerk auf dem eigenen Dach überhaupt noch rechnen. Wie sich das auf seine Umsätze auswirken wird, sei überhaupt noch nicht absehbar. Doch Loresch schwant nichts Gutes, ebenso wie seinem Kollegen Michael Rüd. Dessen Einmannbetrieb macht nach eigenen Angaben 80 Prozent seines Umsatzes mit Photovoltaikanlagen. Ob er die mutmaßlich wegbrechenden Aufträge durch andere Arbeiten ausgleichen könne, sei mehr als fraglich, sagt er.
Nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands (BBV) steht auch für die heimischen Landwirte viel auf dem Spiel. „Wer heute einen neuen Stall oder eine Maschinenhalle plant, rechnet meist auch mit Einnahmen durch Solarmodule auf dem Dach“, sagt Fachberater Thomas Graupner von der BBV-Geschäftsstelle in Günzburg. Sofortige Kürzungen von 29 Prozent bei der Einspeisevergütung wären für viele Stallbauprojekte, die sich vorher noch rentiert hätten, der Todesstoß. Wie auch von der Politik gefordert, hätten viele Landwirte in den vergangenen Jahren den Weg hin zum Energiewirt beschritten und auf Biogasanlagen, Energiepflanzen und eben auch Photovoltaik gesetzt. Nun herrsche große Unsicherheit, viele besorgte Bauern hätten sich bereits bei ihm gemeldet. „Da wird wieder einmal eine vielversprechende Sparte ohne Not abgewürgt“, sagt Graupner und appelliert an die Politik: „Die Landwirte brauchen Planungssicherheit, wenn die Reform so schnell und so drastisch kommen sollte, wäre das ein Unding.“
Georg Nüßlein will für Übergangsfristen kämpfen
Georg Nüßlein, CSU-Bundestagsabgeordneter aus Münsterhausen, ist energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion. Es sei sein Ziel, die Region zu einer „Hochburg der erneuerbaren Energie“ zu machen, hatte Nüßlein 2006 im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Er stehe aktuell mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) im engen Kontakt, um sinnvolle Übergangsfristen für bereits geplante Projekte zu erreichen. „Vorhaben, die schon am Entstehen sind, müssen einen ordentlichen Vertrauensschutz genießen“, sagt er. Doch jetzt sei es an der Zeit, über die Sinnhaftigkeit der Photovoltaik zu sprechen. Das Problem sei, dass immer mehr Sonnenstrom die Energieprobleme des Landes nicht lösen könne. Die Sonne scheine eben nur am Tag, für den Bedarf in der Nacht fehle es an Speicher- und Leitungskapazitäten – noch. „Es wird in die Richtung gehen, dass Solarenergie auch für den Eigenverbrauch interessant wird. Die nötige Speichertechnik dazu wird kommen.“ Nüßlein weiter: „Ich glaube an diese Technologie und bin mir sicher, dass solche Anlagen auch trotz einer reduzierten Förderung rentabel sein werden.“