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28. Januar 2012 23:00 Uhr

Multikulti

Eine Stadt entdeckt ihre Vielfalt

Integrationskonzept verabschiedet: 72 konkrete Handlungsempfehlungen

Ulm Für Settar Basyildiz ist es mehr als ein Papier. „Jetzt werden wir endlich auch offiziell ernst genommen“, sagt das Mitglied des Ulmer Internationalen Ausschusses über die erklärte Absicht der Ulmer Kommunalpolitik, ein Integrationskonzept zu erstellen. Die Basis dafür wird der 118 Seiten starke Bericht „Ulm: Internationale Stadt“ sein, der gestern in einer gemeinsamen Klausur des Ulmer Gemeinderats und dem Internationalen Ausschuss verabschiedet wurde.

Von einem „bedeutsamen Perspektivwechsel“ sprach Bürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle, weil nun quer durch alle Fraktionen dadurch erstmals das Zusammenleben vieler Völker in Ulm als eine Bereicherung definiert wurde.

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Oberbürgermeister Ivo Gönner schrieb dem positiven Umgang der Stadtgesellschaft mit ihren vielen Wurzeln aus aller Herren Länder die gleiche oder gar größere Bedeutung für die Zukunft Ulms zu, wie es für besser fassbare Themen vom Schlage des Citybahnhofs oder Ausbau der Wissenschaftsstadt für selbstverständlich erachtete werde.

Kern des Berichts, der am kommenden Montag auf der Internetseite der Stadt Ulm komplett nachzulesen sein wird, ist das Kapitel der zehn Handlungsfelder, die sich um Themen wie Willkommenskultur, Integration durch Bildung gesellschaftliche Teilhabe und Vereinskultur drehen.

Amtssprache bleibt Deutsch, doch es wird mehr übersetzt

Der Bericht enthält eine Vielzahl von konkreten „Schlüsselprojekten“, die in den kommenden fünf Jahren von der Stadtverwaltung realisiert werden sollen. Dazu gehört etwa, dass in der Verwaltung künftig vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt werden sollen. „Wir können auf diese Kompetenz nicht verzichten“, sagte Gönner. Konkret sollen auch Sprachförderangebote weiter ausgebaut und ein interkultureller Patendienst etabliert werden, der Neubürgern aus anderen Ländern, in der Anfangszeit unterstützen soll.

„Die Amtssprache ist und bleibt Deutsch“, sagte Gönner. Aber es sei sinnvoll, Informationen künftig in mehreren Sprachen anzubieten. So soll etwa die Homepage der Stadt künftig genauso in andere Sprachen übersetzt werden wie städtische Infoblätter. Unter dem Schlagwort „Migrantencommunities“ schlägt der Bericht vor, zu prüfen, ob die Bildung eines neuen Dachverbandes realisiert werden kann.

An finanziellen Grenzen wird die Umsetzung des Integrationskonzepts nach den Worten von OB Gönner nicht scheitern, schließlich sei es ja auch einstimmig verabschiedet worden. Dass Kosten entstehen, sei völlig klar. Allein “ für die Beschäftigung eines Übersetzungsdienstes für Internet und Co. nannte Gönner 500000 Euro als „Unterkante“.

Settar Basyildiz hofft nun auf Chancengleichheit in Ulm. Und darauf, dass aus dem dicken Papier kein Tiger wird.

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