Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten

Atommüll: Endlager in Ulm: Das Phantom ist zurück

Atommüll

Endlager in Ulm: Das Phantom ist zurück

  • |
  • |
  • |
    Ein Radlader kippt in der Schachtanlage Asse Fässer mit radioaktivem Müll in eine Kammer. (Archiv)
    Ein Radlader kippt in der Schachtanlage Asse Fässer mit radioaktivem Müll in eine Kammer. (Archiv)

    Eigentlich schienen die Pläne für ein Atommüll-Endlager in der Region vom Tisch, doch Äußerungen des designierten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) in der Bild am Sonntag lassen ein solches Szenario plötzlich wieder realistisch erscheinen. Er ist demnach „selbstverständlich bereit“, auch die Tonschichten in Baden-Württemberg für einen Endlagerstandort untersuchen zu lassen.

    Der Vorstoß der neuen grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg, bringt Bewegung in das Thema. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) würde gern die Endlagerfrage als Teil des Atomausstiegspakets mit den Ländern neu aufrollen. Da sich der Prozess über mehrere Bundestagswahlen hinziehen wird, kann das Problem eigentlich nur im Konsens gelöst werden. So oder so erhöht sich der Druck, da die Zwischenlager in Gorleben, Ahaus, Lubmin und an den Atomkraftwerken nur eine Betriebserlaubnis für 40 Jahre haben.

    Grundsätzlich gibt es in Deutschland die Möglichkeit, Atommüll in mehreren hundert Metern Tiefe in Salz- oder Tongesteinen zu lagern. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nennt in einer Studie untersuchungswürdige Salz- und Tongesteinsformationen in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

    Seit Jahren werden daher auch die Tonschichten rund um Ulm als Endlager für Atommüll immer wieder ins Spiel gebracht. Untersucht wurden diese auch schon. Um dann vom baden-württembergischen Umweltministerium als für zu dünn befunden zu werden. Ob die neue grün-rote Regierung nun rund um Ulm neue Untersuchungen anstellen will, ist offen. Klar ist nur, dass die Region Donau-Iller auf einer Tonschicht liegt.

    Entscheidung über Gorleben nicht vor 2015

    Die Entscheidung über Gorlebens Eignung ist nicht vor 2015 zu erwarten. Eine parallele Prüfung mehrerer Standorte, womöglich auch unter Einschluss Gorlebens, hätte den Vorteil, dass nicht unnötig Zeit vergeudet wird, falls Gorleben letztlich scheitern sollte.

    Im Namen der Regierung könnte das Bundesamt für Strahlenschutz die Federführung bei einer bundesweiten Suche übernehmen. Zunächst wären umfangreiche Bohrungen und Messungen notwendig, was bereits Jahre dauern dürfte. Nach und nach würde das Raster enger gezogen, bis nur noch zwei oder drei Standorte in der Endauswahl übrig bleiben. Nach einem Langzeitsicherheitsnachweis würde ein Genehmigungsverfahren und ein Planfeststellungsbeschluss zur Endlagerrichtung folgen. Allein dieser Prozess würde 15 Jahre dauern. Der Endlagerstandort könnte wohl mit Kompensationszahlungen in Millionenhöhe rechnen. Die schlichte, aber weltweit  so schwer zu erfüllende Voraussetzung: Es muss garantiert werden, dass die radioaktive Strahlung dauerhaft in der Tiefe bleibt.

    Der Regionalverband Donau-Iller sprach sich bereits 2006 gegen jede weitere Untersuchung der heimischen unterirdischen Tongesteinsformation zur Endlagerung radioaktiver Abfälle aus. Auch in Bayern läuteten ob des Kretschmann-Interviews die Alarmglocken. Wie berichtet, war hier unter anderem Sendener Gebiet als Endlager in der medialen Diskussion. Doch im Gegensatz zum in Kürze grün-rot geführten Nachbarland will die Staatsregierung den Atom-Dreck möglichst weit wegschieben: „Bayern ist für einen Endlagerstandort nicht geeignet – und zwar aus geologischen, nicht aus politischen Gründen“, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. heo, dpa.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden