Fasnetskinder kidnappen Figur vom Narrenbaum – und sorgen für Aufregung. Heute soll Lösegeld übergeben werden Von Jens Carsten



Weißenhorn Skrupellose Entführer haben die Fuggerstadt gestern in Aufruhr versetzt. Zahlreiche bunte Narren rätselten beim Rathaussturm über den Verbleib des Eschagore, der kultigen Sagengestalt aus der Stadtgeschichte (siehe Infokasten). Eigentlich sollte die Puppe während der tollen Tage im Narrenbaum in der Altstadt sitzen – doch nun ist sie verschwunden. Zuerst hatten die Narren offenbar Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt in Verdacht: Er hätte nach dem Rathaussturm als Ersatz im Wipfel der Linde Platz nehmen sollen, hatte mit dem Verschwinden aber nichts zu tun. Nun gibt es eine heiße Spur: Kidnapper haben einen anonymen Brief mit ihren Forderungen verfasst und in Umlauf gebracht. Demnach soll der Eschagore heute nach dem Faschingsumzug um 14Uhr am Unteren Tor übergeben werden – für ein Ständchen der Guggenmusiker und einen Kasten Bier. Bruno Simmnacher, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Weißenhorner Fasnacht (IWF), nimmt die Entführung sportlich: „Die Forderungen sind in Ordnung.“ Doch auf den Zeitplan der Entführer will er sich nicht einlassen: „Wir lösen den Eschagore entweder vor dem Umzug aus oder gar nicht.“
Doch auch ohne Eschagore haben am gestrigen Rosenmontag zahlreiche Maskerer in der Fuggerstadt gefeiert. In Weißenhorn stürmten die bunten Horden das Alte Rathaus. Und in Schießen zogen viele kostümierte Kindergartenkinder durch die Straßen. Hier ein Überblick.
Entführung Ein Blick in den Narrenbaum auf dem Weißenhorner Kirchplatz offenbarte Schreckliches: Der Eschagore – ein Geist, der es auf angetrunkene Reisende abgesehen hat – ist verschwunden. Beim Schmücken des Baumes wird die Figur traditionell in die Linde auf dem Kirchplatz gesetzt. Karola Dirr-Simons, die Zunftmeisterin des Eschagore, verdächtigte beim Rathaussturm am gestrigen Rosenmontag die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Deswegen wurde Bürgermeister Fendt nach der Eroberung seines Amtssitzes gleich gefesselt – und sollte sich als Ersatz für die fehlende Figur in den Narrenbaum setzen. Doch da hatten die Maskerer den Falschen am Wickel, das Stadtoberhaupt beteuerte seine Unschuld und verteilte 150 Krapfen, um sich freizukaufen. Nun ist klar: Der Eschagore wurde entführt. Zunftmeisterin Dirr-Simons kündigte an, die Figur „gerne auszulösen“ – falls sie wohlbehalten zurückkehre.
Maskottchen soll sich bei Entführern im Keller befinden
Grund zur Sorge besteht offenbar nicht: Dem Maskottchen geht es gut, versicherten die Entführer gegenüber unserer Zeitung gestern am Telefon. „Es sitzt brav bei uns im Keller.“ Ihr Schelmenstück vollführte die Narrengruppe Fasnachtskinder über Nacht: „Wir sind mit einer Leiter in die Linde geklettert.“ Ebenfalls über Nacht bauten die Entführer nun einen Käfig. Darin soll der Eschagore heute beim Fasnachtsumzug durch die Straßen gezogen werden. Geht es nach den Kidnappern, dann soll die Sagenfigur erst nach dem bunten Treiben übergeben werden. Wie die Entführung auch endet – für Zunftmeisterin Dirr-Simons ist klar: „Im nächsten Jahr wird der Eschagore an den Narrenbaum gekettet.“
Rathaussturm Sie lieferten sich einen „erbitterten“ Kampf und haben am Ende doch die Herrschaft über ihr Rathaus verloren: Mit Konfetti-Kanonen, Luftballon-Bomben und Sirenengeheul verteidigte Bürgermeister Fendt mit seiner Mannschaft erbittert das Weißenhorner Rathaus, musste aber schon nach kurzer Zeit den Schlüssel zu den Amtsstuben an die Maskerer des Eschagore übergeben. In diesem Jahr hatte das Stadtoberhaupt einen Trumpf aufgefahren, das Rathaus wurde von den Kindergärten umstellt. Die Kids kreisten die Angreifer heimlich ein, um sie am Eroberungsfeldzug zu hindern. Doch alles Hoffen war am Ende vergebens, mittels Leitern stürmten die von Hunderten Schaulustigen angefeuerten Narren das Rathaus. (reba)
Kinderumzug In den Wagen saßen kleine Bären und Hühnchen, die sich von Indianern ziehen ließen: Die Kindergartenleiterinnen Christine Harder und Brigitte Gonnermann hatten zum Gaudiwurm der Minis in Schießen aufgerufen und etwa 100 Kinder mit Eltern und Großeltern waren gefolgt. Der etwa 100 Meter lange Wurm schlängelte sich durch die Straßen. Mit lautem „Ki-Ga“ und „Zicke-Zacke“ zogen die kleinen Maschkerer durch den Ortsteil. Der Gaudiwurm machte an fünf Stationen halt, dort gaben die Kinder närrische Lieder und Tänze zum Besten. An jeder Station wurden sie mit Leckereien belohnt. (mde)
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