Ulm Nein, als Heinrich C. Ulrich 1912 im Alter von 36 Jahren in seiner eigenen Werkstatt über Plänen für chirurgische Instrumente brütete, ahnte er nicht, dass dies der Grundstein für ein inzwischen weltweit agierendes Unternehmen mit Millionenumsätzen sein könnte. Wie 1912 liegt auch 2012 der Fokus auf technischer Hilfestellung zur Lösung von medizinischen Problemen. Nur die Methodik hat sich in 100 Jahren ein wenig geändert.
Der Kern: Innovationen für den Weltmarkt
1300 Gäste kamen zum 100. Geburtstag nach Ulm-Lehr zu „Ulrich Medical“, einer Firma, die immer noch in Familienhand ist. Und sich durch die Konzentration auf die eigenen Wurzeln seit Jahren im Aufwind befindet. „Seit 2006 konnten wir Umsatz und Mitarbeiterzahl verdoppeln“, sagt Klaus Kiesel, Geschäftsführer neben Christoph Ulrich, dem geschäftsführenden Gesellschafter. 2011 wurden 48 Millionen Euro mit 267 Mitarbeitern umgesetzt.
Im Jahr 2000 wurde nach einigen schwierigen Jahren der Grundstein für die heutige, blendende Verfassung gelegt: die Stärkung des Kernbereichs, der Entwicklung und Herstellung von besonderer Medizintechnik. Das Sanitätshaus am Münsterplatz wurde geschlossen, Geschäftsbereiche wie Rehatechnik und Sprechstundenbedarf für niedergelassene Ärzte verkauft.
„Wir konzentrierten uns auf das, was wir am besten können“, sagt Kiesel. Mit Innovationen „Made in Germany“ ist „Ulrich Medical“ heute ein Aktivposten im hart umkämpften Markt. Am umsatzträchtigsten sind die beiden Segmente Wirbelsäulen-Implantate und Kontrastmittel-Injektoren, wie sie etwa zur Vorbereitung auf die Erstellung von Bildern im Computer-Tomografen gebraucht werden.
Bei der Produktion von Wirbelsäulen-Implantaten ist schwäbische Genauigkeit in hochpotenzierter Form notwendig, wenn Schrauben und Co. aus speziellem medizinischen Titan in Maschinen gefräst werden, von der eine 500000 Euro kostet. Zwölf Millionen Euro wurden allein in den vergangenen sechs Jahren in Ulm investiert. Erst 2006 wurde das neue Büro- und Produktionsgebäude fertiggestellt.
Kiesel ist überzeugt, dass Ulrich Medical mit Innovationen aus Ulm auch in den kommenden Jahren den eingeschlagenen Wachstumskurs beibehalten wird. Der derzeit bei 60 Prozent liegende Exportanteil wird nach seiner Überzeugung weiter steigen. Dazu wurde 2006 der Grundstein gelegt: Seit der Gründung eines Tochterunternehmens in den USA sind die Weichen auf internationale Expansion gestellt. Heute werden Ulrich Produkte, die mit über 100 Patenten geschützt sind, in 70 Länder exportiert. Insbesondere in Asien und Lateinamerika sieht Kiesel neben Russland das größte Wachstumspotenzial für die Zukunft. Eines, so Kiesel, dürfe bei aller Bedeutung von Zahlen und Bilanzen nie verloren gehen: „Wir entwickeln neue Produkte stets in dem Bewusstsein, dass sie dafür da sind, um die Gesundheit des Menschen zu verbessern.“